Fotos: Alexandra Laubrinus Aufmacher Bar Normal
Bar Normal

Lebendig und unkompliziert

In Neukölln beobachtet Autorin Alexandra Laubrinus schon länger eine entstehende Bistro-Kultur. Gerade regt sich einiges aber auch in anderen Bezirken wie Prenzlauer Berg

Neben Institutionen wie Otto und Estelle Dining beeindrucken solche Neueröffnungen wie MaMis oder Frieda mit genussvollen Gerichten und vielseitigen Drink-Menüs auch das jüngere Foodie-Publikum. Die neu eröffnete Bar Normal reiht sich wunderbar ein, auch wenn sie ganz anders sein will. Beim Betreten des Gastraums fühlt sich alles zunächst nach Bistro an. Im Zentrum ein langer Tresen, an der Fensterfront entlang reihen sich viele kleine Zweier-Tische, dazu klassisches Bistro-Mobiliar und wunderschöne Bodenfliesen. Dieser Raum verzichtet auf schmuckvolles Interior und möchte mit Menschen gefüllt werden.

Kulinarisch irgendwo zwischen Casual Dining, zeitgemäßer Kneipenkultur und gehobenem Barfood angesiedelt, liegt der Fokus der Speisekarte auf Snacks, kleinen und mittleren Tellern und einer übersichtlichen Mischung von Weinen aus ganz Europa, Cocktail-Kreationen und Bier vom Fass.

Nach dem ersten Glas Bubbles, ein Muskat Pet Nat aus Tschechien, kommt auf den Tisch, was zuerst fertig ist: Wunderbar knusprige Bitterballen, gefüllt mit einem cremigen Ragout in Béchamel und begleitet von scharfem Senf mit feiner Meerrettichnote. Das passt perfekt zum Auftakt eines weinseligen Abends. Es folgt eine hervorragende Tortilla, serviert wie in Spanien üblich mit einem halbflüssigen Kern. Dazu eine milde Chili-Mayonnaise und ein Hauch Chorizo-Öl, das mit seinem rauchigen Aroma sehr gut passt.

Bar Normal 1

Dann wird es Zeit die Gläser aufzufüllen, mit einem Franzosen, auch wenn der White-Lady-Cocktail mit Gin, Agave und Pet Nat am Nachbartisch sehr verlockend aussieht.

Danach geht’s weiter mit einem feinen toskanischen Bohneneintopf mit Rosenkohl, wahlweise mit Stracciatella-Käse. Sehr einfach, aber gut. Empfohlen wird das mit Orange und Rosmarin gegrillte Perlhuhn, das eher rustikal und pur, lediglich in kleine Häppchen geschnitten, auf den Tisch kommt. Das feine Kartoffelpüree, das mit einer großzügigen Portion knusprigen Kartoffelschalen serviert wird, begeistert doch mehr. Diese Beilage zeigt, dass die Küche ihr Handwerk versteht.

Inzwischen ist das Lokal bis auf den letzten Platz an der Bar besetzt. Und es fühlt sich an wie Berlin vor der Pandemie. Es ist laut, lebendig, ein wuseliges Treiben, das rundum entspannt und sorglos daherkommt.

Der Service bleibt zu jeder Zeit aufmerksam und schenkt trotz des drohenden Endes des Reservierung-Slots noch ein Glas Wein ein. Alles erscheint sehr unkompliziert, man fühlt sich als Gast einfach wohl und es steht fest: Wir kommen wieder!

Bar Normal
Oderberger Straße 7, Prenzlauer Berg, www.ganz-normal.eu, Do-So ab 18.30 Uhr