Rom in Kreuzberg
Ein kurzer Moment Urlaub, römische Backkunst und eine bemerkenswert gepflegte Weinkarte – das Pizza-Restaurant Monti bringt leises
Renate Dengg steht auf der Terrasse, als wäre sie einfach zufällig hier gelandet. Sie ist nicht oft im Monti. Drinnen führt ihre Tochter Carla (Foto) das Restaurant – und man merkt schnell, dass sie genau hier richtig ist. Mit ruhiger Präsenz, aufmerksam, offen, ohne jede Aufgeregtheit. Sie bewegt sich durch den Raum, als hätte sie nie etwas anderes gemacht. Dabei, erzählt sie, kam das alles eher unverhofft. Studium in Wien, ein Fach mit Blick auf Umweltfragen, viele Möglichkeiten, noch keine klare Richtung. Und dann die Frage der Eltern: ob sie sich vorstellen könne, das dritte Restaurant zu übernehmen. Sie konnte.
Die Eltern, Renate Dengg und Max Setrak, haben in Berlin längst ihre Handschrift hinterlassen. Mit dem Jolesch, seit über 15 Jahren eine feste Größe, und im letzten Sommer dann mit der Rotisserie Weingrün, die sie behutsam in die Gegenwart geholt haben. Nun das Monti, zu dem es laut Renate Dengg eher zufällig kam und sich ganz selbstverständlich und zeitgemäß anfühlt.
Vielleicht liegt das an den Räumen. Pistaziengrün, Auberginenblau, dazu ein großes Stillleben aus Zitronen und Artischocken – das klingt üppig, wirkt aber leicht. Die Türen stehen offen, die Terrasse fängt das Licht ein, aus der Küche kommen Wortfetzen. Es ist eine unaufgeregte Mischung aus Sorgfalt und Lässigkeit, die einen bleiben lässt, länger als geplant.
Im Mittelpunkt steht die römische Pizza. Dünn, knusprig, fast spröde im besten Sinne. Der Teig bekommt Zeit – 72 Stunden –, wird mit viel Wasser und wenig Hefe angesetzt, ausgerollt statt gezogen und sehr heiß gebacken. Was auf den Teller kommt, ist präzise und überraschend leicht: kein wulstiger Rand, keine Schwere, sondern ein klarer, knuspriger Biss. Dazu kommt auch immer eine Schere, um die Slices schnell aufzuteilen.
Die Klassiker fehlen nicht, aber interessanter wird es bei den eigenen Kombinationen, den „Monti Style“-Pizzen. Wie bei „Leeky Lachs“ etwa (Foto) mit Fior di Latte, Schmand, Ostseelachs, Zitronenzeste, Lauch und Kresse oder der Pizza „Diavolo Monti“ (großes Foto oben) mit San-Marzano-Tomate, Fior di Latte, Salame Picante, Nduja, gerösteter Paprika und Pecorino. Reich belegt, und doch bleibt der Boden standhaft.
Und dann diese vermeintlichen Nebensachen, die plötzlich viel Raum einnehmen: ein Zitronen-Hummus, der heller und feiner schmeckt, als man es erwartet, dazu gebackene Babyartischocken und warme Focaccia oder knusprige Calamari mit grüner Chili und einer Aioli. Persönliche Favoriten sind die marinierten Cherrytomaten auf Basilikum-Ricotta – und ein Glas Pecorino aus den Abruzzen, genau richtig für diesen Moment. Es ist diese Art von Essen, die keinen großen Anlass braucht.
Auch die Weinkarte erzählt leise von Erfahrung. Rund 75 Positionen, sorgfältig ausgewählt, mit einem Schwerpunkt auf Italien, aber offen genug für Entdeckungen aus Deutschland, Österreich, Ungarn oder Slowenien. Man kann sich treiben lassen oder gezielt wählen, beides funktioniert. Und mit Preisen, die den Abend nicht beschweren, bleibt am Ende vor allem das Gefühl, hier gut aufgehoben zu sein.
Monti
Fichtestraße 32, Kreuzberg,
Stand: Juli 2026