Josef Klemm, Andy Romanowski und Saif Hamed mit ihrem patentierten Toaster Aufmacher_kukki
kukki

Message in a bottle

Die Idee ist so einfach wie erfolgreich und auch schon patentiert. Nämlich ein spezielles Eis zu erfinden, dass in Flaschen gefüllt werden kann und darin Cocktails lange Zeit kühlt. Der Sommer kann kommen ...

Text: Eva-Maria Hilker • Fotos: Selina Schrader

Eis in der Flasche – darauf haben die Drei das Patent angemeldet. Saif Hamed, Josef Klemm und Andy Romanowski haben kukki erfunden. Das sind Cocktails in Flaschen, und das Eis ist auch schon drin. Jetzt werden einige denken: noch so ein Alkopop. Ist es aber nicht. Die Cocktailvarianten sind ohne Konservierungs- sowie Farbstoffe und mit Fruchtsäften und den entsprechenden Alkoholika gemischt.

Die Produktionsstätte ist im Goerzwerk in Lichterfelde. Von außen ein eher unscheinbarer Industriebau, besitzt er bei näherem Hinsehen einen besonderen Charme. Der heutige Gewerbehof wurde 1915 bis 1917 von Carl Paul Goerz als Filmfabrik und Glashütte erbaut. Und in ihm ist noch genug Platz vorhanden. Den auch andere Start-ups gerade entdecken und die Firma Booze Me für die Produktion von kukki auch gerade benötigt. Sie hat gerade noch ein paar Räume dazu gemietet.


Die Idee zum eisgekühlten Cocktail aus der Flasche hatte Josef Klemm

2014 fing alles an bzw. wurde die Idee sehr konkret. Die Idee zum eisgekühlten Cocktail aus der Flasche hatte eigentlich Josef Klemm. Der mag nämlich kein Bier. „Ich vertrage es nicht“, so seine knappe Erklärung. Die Alternativen schmeckten ihm nicht. Er begann an einer Idee rumzutüfteln. 2016 war es dann soweit. Kukki kam auf den Markt.

Im Empfangsbereich der Firma beweist ein Regal voller bunter Flaschen von der ersten Experimentierfreude, was Flaschenform, Logogestaltung und Farben der Cocktails betrifft. „In diesen Räumen haben wir angefangen“, so Saif Hamed, der Geschäftsführer. Er zeigt grinsend auf die Installation, die von der Decke hängt. „Wir werden häufig gefragt wie wir die Bambuspflanzen bewässern.“ Not macht erfinderisch, und so hängen Plastiktöpfe mit Plastikbambus von der Decke, dazwischen Glühbirnen. Darunter gibt es erst mal Kaffee und danach die Cocktails. Der Name, so erzählt Andy Romanowski, sei dadurch entstanden, dass in der Anfangszeit alle immer ständig Kekse, also Cookies gefuttert hätten und wegen des Begriffs kalt. Und kukki ist in jeder Sprache einfach zu verstehen. Nun stehen also fünf kukkis, der sogenannte kukki-Mix zur Verkostung bereit. Wäre es nicht ein ganz normaler Wochentag und gerade mal erst elf Uhr, wäre das Trink-Vergnügen perfekt. Und man könnte wenigsten den Favoriten, den herb-fruchtig gurkigen Mule austrinken, aber so? Ein Schluck vom Lady Killer, vom Boston, vom Sex on the Beach, vom El Presidente – die journalistische Sorgfalt gerät etwas unter Druck bzw. es geht leichtfüßig weiter in die Produktionsräume.


Bilder vom Besuch bei kukki im Goerzwerk:
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Die Eismaschine fällt sofort ins Auge, mit ihren schwarzummantelten Röhren und einem Ende aus zahlreichen durchsichtigen Schläuchen, aus denen alle paar Sekunden ein Schub zylindrische Eisstücke rutschen. Die werden von einer Mitarbeiterin in einem Sieb aufgefangen und eine weitere Kollegin füllt davon jeweils 100 Gramm Eis in eine Flasche. Die nächste füllt die Flasche mit der entsprechenden Cocktailflüssigkeit und gibt eine Frucht dazu. Die Vierte an der Abfüllanlage verkorkt die Flaschen, die sofort in die Tiefkühltruhe gepackt werden. Davor werden die Flaschen gespült und etikettiert. Immer nur eine Sorte Cocktail wird pro Tag abgefüllt. Insgesamt sind es rund 70.000 Flaschen im Monat.

Die ursprüngliche Idee war mal, den Clubs und den Strandbars, also der Gastronomie die Kühlschränke vollzupacken. Mit rund 8.000 Flaschen fing alles an. Doch dann kamen die Nachbestellungen und der erste Edeka-Markt nahm kukki ins Warensortiment auf. „Es ist immer für uns von Vorteil, wenn wir unsere Cocktails persönlich vorstellen. Denn telefonisch lässt sich die Einmaligkeit des eisgekühlten Cocktails in Flaschen schlecht beschreiben“, so Andy Romanowski, an dessen Eloquenz es keinen Zweifel gibt. Und vielleicht liegt es gerade daran, dass auch Aida Cruises Interesse an den tiefgekühlten Cocktails in Flaschen haben. Aber auch individuelle Bestellungen sind im Onlineshop möglich. Dann wird die Flasche nur geschüttelt, der Alkohohl wird flüssig, das Eis bleibt fest.


„Blau steht für El Presidente“

Weiter geht es zu den Kühlräumen, die gerade von Bernd in Anspruch genommen werden. Er beliefert die einzelnen Märkte. Übrigens: Jede Firma braucht einen Bernd, der mit Optimismus und Pragmatismus den Alltag bereichert. Er stapelt Kartons auf die Schubkarre, alle mit einem blauen Punkt versehen. „Damit die Gastronomen sofort sehen, welchen Cocktail sie auf Lager haben. Blau steht für El Presidente.“

Nun hat Josef Klemm an einer weiteren Sache getüftelt. An einem sogenannten Toaster. Der erwärmt die tiefgekühlten Flaschen innerhalb von 15 bis 20 Sekunden, so dass keine Wartezeit an der Bar anfällt. Auch der ist patentiert. Zum Schluss geht es zurück zu unseren Probier-kukkis am Empfang – und tatsächlich ist da noch Eis drin und schmecken tun die Cocktails auch immer noch.

kukki Cocktail
www.kukkicocktail.com