Fotos: Selina Schrader Gala Großer Weine
Gala Großer Weine

„Die schönste Wein­veranstaltung dieses Jahr in Berlin“

Sie findet mittlerweile zum achten Mal statt, die Gala Großer Weine von Wein & Glas. Sie gehört zu den wichtigsten Ereignissen der hiesigen Weinszenerie. Geschäftsführer Wolf Steppat über die Gelegenheit für Weinfreunde, die Winzer, deren Arbeit und Weine kennenzulernen

Interview: Eva-Maria Hilker • Fotos: Selina Schrader

Sie sind schon seit 30 Jahren bei Wein & Glas. Wie kam es?
Wolf Steppat: Ich bin Quereinsteiger. Ich habe eigentlich Biologie studiert und habe dann über den Umweg der Gastronomie meinen Partner Georg Mauer kennengelernt, der mich noch als Student ins Unternehmen geholt hat. Ich habe von der Pike auf angefangen: Über die Lagerarbeit, über die Ausfahrerei und die Belieferung unserer Kunden. Jetzt bin ich Mitinhaber und Geschäftsführer.

Wein & Glas ist ordentlich gewachsen, also ausfahren müssen Sie jetzt nicht mehr?
(lacht) Ich weiß aber, wie es geht, und hab vollstes Verständnis für unsere Fahrer, die wirklich einen harten Job machen. Aber ich kann mit Recht sagen: Ich hab es selber lange genug gemacht und weiß, wovon ich rede.

Wie sind Sie zum Wein gekommen? Über den Weingenuss?
Neben meinem Studium habe ich in der Gastronomie gejobbt und hab dabei guten Wein kennengelernt. Ich war immer schon Weintrinker. Bier war nie mein Ding und ich liebe Wein bis heute. Ich bin Autodidakt, also alles, was ich heute kann und weiß über Wein, hab ich mir selbst beigebracht.

Die wievielte Gala ist es dieses Jahr?
Wir veranstalten am 24. Juni die achte Gala großer Weine. Wir haben 1997 angefangen. Damals war Wein & Glas noch ein Stück weit kleiner als heute. Die Grundüberlegung war die, dass wir eine ganz besondere Wein-Veranstaltung machen wollen, sowohl von der Location her als auch von den Winzern, die persönlich nach Berlin kommen – und das ist uns eigentlich auch gelungen.

Gala Großer Weine 1

Eine Attraktivität war immer das Zusammenkommen von euren Winzern und Weinfreunden an einem außergewöhnlichen Ort.
Angefangen hat es 1997 in der Bar jeder Vernunft in der Schaperstraße. Im Jahr 2000 fand die Gala im Apollo-Saal der Staatsoper statt. 2003 war die Veranstaltung im Hamburger Bahnhof, 2006 waren wir in der historischen Brennhalle von KPM, 2009 im E-Werk, 2012 im Tipi am Bundeskanzleramt, vor drei Jahren im Telegrafensaal der Telekom und gehen diese Jahr in die Arminiusmarkthalle in Moabit. Es findet immer eine Tagesveranstaltung statt, die Gala, bei der 80 Winzer ungefähr 400 Weine präsentieren. Und es gibt eine Abendveranstaltung für alle Winzer, wo wir alle zusammen den Tag ausklingen lassen.

Wie seid ihr auf diesen Standort gekommen?
Wir machen diese Veranstaltung alle drei Jahre. Aus unserer Sicht ist das die schönste Weinveranstaltung dieses Jahr in Berlin. Alle drei Jahre kommen auch unsere Winzer gerne nach Berlin. Die Arminiusmarkthalle ist jetzt eine ganz andere Location: sehr Berlin-like, sehr bodenständig, so wie Berlin eben auch ist. Es wird spannend werden, denn die Gala, die wir jetzt vorbereiten, die in vier Wochen kommt, hat sicherlich einen ganz anderen, eigenen Charakter. Es ist eine belebte Markthalle. Es sind Essensstände da, es ist Moabit und nicht Grunewald, es ist eine ganz andere Klientel von Menschen, die man da sieht.

80 Winzer und ihre Weine – geben Sie doch bitte mal einen kurzen Überblick.
Ganz stark vertreten ist die Fraktion aus Deutschland. Wir haben schon immer ein sehr umfassendes deutsches Angebot in unserem Sortiment und deshalb ist das auch der Löwenanteil. Österreich mit den Top-Betrieben ist dabei, eine sehr schöne Selektion aus Italien, auch aus Frankreich und dieses Jahr ist auch eine spanische Selektion vertreten sowie eine kleine Auswahl aus Übersee.

Bekommt man als Besucher auch eine Ahnung, wo die Trends hingehen?
Wir haben auch Weine aus Ungarn im Portfolio, wo wir seit geraumer Zeit eine Steigerung der Nachfrage haben. Ich freue mich immer auf die Bestandsaufnahme von Wein & Glas. An diesem Tag zeigen wir, welche Winzer und Weine wir im Portfolio haben, welche Weiterentwicklung es gibt und geben wird. Zum anderen ist es gleichzeitig eine Bestandsaufnahme der Trends. Wir präsentieren immer auch einen Mix aus konventionellen sowie klassischen Weinen, aber natürlich auch ein paar spannende Weine, die man sicherlich in Berlin so noch nicht probiert hat.

Verraten Sie doch mal einen.
Zum Beispiel gibt es eine ganz spannende Entwicklung beim Weingut Lageder, das Spitzenweingut aus Südtirol, die ganz innovative, sehr ungewöhnliche Weine machen. Einen davon werden wir auch vorstellen.

Was ist daran ungewöhnlich?
Es ist eine Experimentalstudie, die so gar nicht käuflich ist. Eine Rebsorte, die wahrscheinlich keiner kennt oder kaum jemand kennt, die in Südtirol vollkommen ungewöhnlich ist. Und so gibt es einige dieser Weine, es gibt die Bambule-Weine von Judith Beck, vom Neusiedlersee. Oder die Freyheit-Weine vom Weingut Heinrich.

Bambule-Weine kennt nicht jeder ...
Das sind diese sogenannten Natur-Weine, die im Moment in aller Munde sind, im wahrsten Sinne des Wortes. Die ja auch eine ganz andere Stilistik haben als das, was man sich normalerweise unter einem klassischen Wein vorstellt.

Das hat mit Spontanvergärung zu tun?
Das sowieso. Es geht darum, dass diese Weine naturbelassen sind, auch nicht geschwefelt werden, im Grunde genommen Weißwein so hergestellt wird wie Rotwein. Das Ergebnis sind Weine, die ein ganz anderes Geschmacksbild haben. Es gibt in der jungen Sommelier-Restaurant-Szene eine starke Nachfrage.

Bedarf es nicht eines großen Erfahrungsschatzes, um einen guten Natur-Wein von einem schlechten zu unterscheiden?
Natürlich können wir Weinmenschen einen guten, ungewöhnlichen Wein von einem fehlerhaften Wein unterscheiden. Dies ist aber für einen Weinliebhaber, der einfach nur ein Glas Wein genießen möchte und sich nicht so gut auskennt, nicht immer ganz so einfach. Aber klar ist, das sich diese ungewöhnlich bereiteten Weine mit ihrem neuen Geschmacksbild am Markt auch behaupten und etablieren werden, sofern diese von guten Erzeugern stammen. Welcher Wein nun der richtige ist, muss jeder für sich selbst entscheiden, aber eins ist klar, Wein sollte schmecken!

Ist die konventionelle Weinherstellung noch en vogue?
Bei aller Euphorie der modernen Art der Weinbereitung kann man nicht übersehen, dass es Tausende von Spitzenwinzern gibt, – wenn du allein nach Frankreich schaust, in das Burgund –, die seit Jahrzehnten Spitzenweine konventionell machen. Und die nie ihre Wertigkeit verlieren dürfen. Das finde ich ganz wichtig. Bei uns auf der Gala stehen die Bambule-Weine von Judith Beck neben den Weinen von Comte Georges de Vogüé – diese Bandbreite ist das Spannende am Weingenuss.

Foto: Florian Bolk Gala Großer Weine 2

Da hat der Besucher die Chance, auf der Gala mal auszuprobieren, was diese Unterschiede sind. Ihr habt sehr lange Kontakt zu Winzern. Welcher ist der älteste?
Wir haben heute noch Betriebe, die wir von Anfang an im Portfolio haben. Zum Beispiel das Weingut Fratelli Tedeschi aus dem Veneto, das sind uralte Freunde von uns. Und sicherlich auch solche Weingüter wie Isole e olena aus der Toskana. Es gibt neuere Betriebe, mit denen wir noch nicht sol ange arbeiten, wie z.B. Planeta auf Sizilien.

Ich kann mich noch an italienische Weine wie Valpolicella erinnern. Damals, als ihr in Berlin aufgemacht habt, hat man diese Weine doch getrunken, Valpolicella, Soave, Orvieto ...
Es gibt, was italienischen Weißwein betrifft, geradezu einen Artenschwund, der losging mit dem Frascati, den man ja heute in Berlin nicht mal mehr an der Tankstelle kriegt. Danach ist der Orvieto gestorben. Ich rede jetzt immer nur von der Nachfrage, es gibt die Weine natürlich noch nach wie vor. Es gibt ja auch Modetrends bei Weinen und diese Weine sind einfach Out. Soave tut sich schwer, obwohl es im Spitzenbereich da immer noch sehr tolle Weine gibt. Lugana ist in Berlin auch nicht gerade der Trendwein, während der in der Gegend von München palettenweise über den Tresen geht. Und natürlich ist die Konkurrenz gerade im Weißweinbereich aus Deutschland und Österreich enorm gewachsen.

Kann man behaupten, dass Berlin die Hauptstadt des deutschen Weins ist?
Sagen wir mal so: Von der Weinvielfalt, von dem Spektrum, was Berlin an Wein und auch an Weinlokalen, an Restaurants, an Händlern zu bieten hat, ist Berlin sicherlich führend. Aber die Stadt ist nicht einfach. Berlin kann man nicht mit München oder anderen Städten vergleichen. Die Hauptstadt ist zudem wahnsinnig breit aufgestellt. Es gibt hier viele junge Leute, die sich selbst auf die Suche machen nach neuen Weinen, die in die Weinbauregionen fahren, die sich junge innovative Winzer suchen und Weine selbst importieren. Es gibt immer mehr Anbieter von hochwertigen Weinen. Wenn man vor 20 Jahren an Rheinhessen gedacht hat, dann redete man von fünf bis zehn Spitzenbetrieben, heute hat man 30. Darin liegt natürlich eine Chance für alle, aber auch eine große Herausforderung.

Also ist es ein harter Markt in Berlin?
Dieser Herausforderung müssen wir uns stellen und das tun wir natürlich auch jeden Tag, indem wir unser Sortiment überarbeiten und neue Trends aufnehmen. Das ist manchmal nicht ganz einfach, aber um am Markt zu bestehen, ist das für uns absolut notwendig.

Zurück zur Gala – was können eure Gäste an diesem Tag erwarten?
Es ist ein Come Together der Berliner Weinszene und gleichzeitig eine Momentaufnahme der Leitungsfähigkeit unseres Unternehmens. Hier kommen viele weininteressierte Menschen zusammen: Journalisten, Gastronomen, Sommeliers oder auch einfach private Weinliebhaber. Es ist so eine Art Branchentreff auf hohem Niveau, was die Besonderheit und den Reiz dieser Veranstaltung ausmacht. Alle Winzer und ihre Weine stehen bei uns gleichberechtigt nebeneinander. Jeder Besucher kann sich sein eigenes Urteil bilden.

Was ist Ihre Aufgabe, wenn die Veranstaltung gestartet ist?
Ich kümmere mich um den Ablauf. Und es besuchen uns viele Kunden, die ich gut kenne und die ich wie immer persönlich begrüßen werde. Die Zeit ist dann so schnell rum. Wenn ich mal ein Glas Wein kriege, freue ich mich.

VIII. GALA GROSSER WEINE
am 24. Juni ab 14 Uhr, Arminiusmarkthalle, Eingang Bugenhagenstraße 19, Moabit,
Eintritt: Vorverkauf in der Weinhandlung 30 €, Tageskasse 40 €

Wein & Glas
Prinzregentenstraße 2, Wilmersdorf, Tel. 030 23 51 52-0, www.weinundglas.com