Fotos: Rebecca Hoffmann Aufmacher Masel tov!
Nachgebacken

Manchmal reicht auch ein gutes Brot – Kubaneh

Liv Fleischhacker und Lukas Großmann haben ein Buch über die jüdische Küche veröffentlicht. Mit ihren Geschichten über spannende Persönlichkeiten und inspirierenden Rezepten zeigen sie die Vielfalt dieser Esskultur

Text und Fotos: Rebecca Hoffmann

Es ist Sonntag. Da gehört einfach ein gutes Brot auf den Tisch. Mit Kubaneh kommt eine jüdisch-jemenitische Variante in den Ofen, die sonst auch regulär am Sabbat zum Brunch serviert wird. Das Gericht ist aus dem kürzlich erschienenen Buch „Masel tov! Die moderne jüdische Küche in aller Welt“. Bücher über die wohl vielfältigste Küche kann es eigentlich nicht genug geben, und schön, dass auch auf dem deutschen Buchmarkt immer häufiger Bücher zu diesem Thema erscheinen. Was die Frage aufwerfen könnte, wozu es denn dann noch neue Bücher zur Thematik braucht?

Masel tov! ist anders als andere Kochbücher. Es will kein allumfassendes Nachschlagewerk mit Rezepten sein, sondern mittels der Geschichten von bekannten jüdischen Persönlichkeiten, meist aus der Food-Szene, einen Beitrag zum Kulturaustausch leisten. Optisch aufgrund der Grafik eher an den Nahen Osten angelehnt, werden 21 Personen aus aller Welt porträtiert. Das Buch gliedert sich in Naher Osten, Alte Welt und Neue Welt.

Mit jeder dieser Personen, darunter unter anderem Haya Molcho, Itay Novik oder auch Laurel Kratochvila von Fine Bagels, hat Liv Fleischhacker gesprochen und Leibspeisen der Porträtierten eingesammelt. Lukas Grossmann hat die empfohlenen Gerichte und eigene Rezepte für das Buch aufgeschrieben und nachgekocht. Maria Grossmann, deren Idee das Buch war, hat gemeinsam mit Monika Schuerle diese in Szene gesetzt und fotografiert.

Ein Kochbuch muss heute mehr als nur Lieferant von Zutatenlisten und Anleitungen sein. Der Leidenschaft hinter den Gerichten will nachgespürt werden und anregend soll es sein. Die Kombination aus Hintergrundgeschichten und Rezepten ist wahrlich nichts Neues mehr und dennoch gelingt es dem Buch, mit einem eigenen Stil Lust auf mehr zu machen. Auf das Reisen und natürlich auf das Kochen, Essen und Genießen.


Kubaneh – klassisches jemenitisches Sabbat-Brot: Das Rezept
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Zum vergrößern und für das Rezept klicken Sie bitte auf die Bilder


Das Rezept für Kubaneh stammt von Gil Hovav, der in Tel Aviv eine bekannte Größe ist. Als Autor, Rezeptentwickler und Koch bringt er die jemenitische Küche auf die Tische in aller Welt. Wer schon einmal in Israel war, wird sicher auch in den Genuss des leichten Hefebrotes gekommen sein. Gil Hovav bereitet auch heute noch Kubaneh nach einem Rezept seiner Großmutter zu, wenn er sich, wie das Buch beschreibt, trösten will.

Doch auch in schönen Momenten sollte man dieses Rezept parat haben. Empfohlen wird, das Brot am Vortag über Nacht vorzubereiten. Und aufgrund der langen Gehzeiten und relativ langen Backzeit sollte diese Empfehlung beherzigt werden, wenn nicht erst der Brunch am Nachmittag ansteht. Das Rezept hat einfache Zutaten wie Weizen- und Weizenvollkornmehl sowie jede Menge Butter. Auch die Zubereitung ist verhältnismäßig simpel.

Dennoch gilt vor allem wie bei eigentlich jedem Rezept: vorher lesen. Laut Rezept soll das Brot etwa 60 Minuten gebacken werden, die Erfahrung zeigt: Für eine schöne goldene Kruste sollte es noch etwas länger im Ofen backen. Sobald die Ofentür geöffnet wird, strömt ein fantastischer Duft durch die Küche. Das Perfekte an Kubaneh: Das Brot schmeckt wunderbar und eignet sich sowohl für süße als auch für herzhafte Beilagen.

Auch Liv Fleischhacker, die selbst jüdische Wurzeln hat, nennt dies eines ihrer Lieblingsgerichte aus dem Buch. Wie sie sagt, ist für jeden was dabei, ob knusprige Kruste oder weiche Brotkrumen. Klassisch wird es mit Zhug, einer scharfen jemenitischen Sauce, serviert. Viel mehr als frische Tomaten vom Markt, gute Butter und Salz braucht es jedoch nicht. Dieses Gericht wird bei weitem nicht das Einzige bleiben, welches es auf unseren Teller schafft. Das Buch präsentiert süße und herzhafte Gerichte, Vegetarisches, Fisch- und Fleischgerichte. So vielfältig wie eben die jüdische Küche in aller Welt ist. Es ist eines dieser Bücher, bei denen es immer etwas Neues zu entdecken geben wird.

Masel tov!

Masel tov!
Die moderne jüdische Küche in aller Welt. Rezepte. Porträts. Geschichten.
von Liv Fleischhacker und Lukas Großmann,
Christian Verlag,
www.verlagshaus24.de/christian,
224 Seiten, 29,99 €