Fotos: Alexandra Laubrinus Aufmacher Alexandra Homecooking
Home Cooking

Wir kochen selbst

Es gibt mehr als Nudeln und Tomatensauce. Auch wenn wir Deutschen nach den jüngsten Erkenntnissen das Kochen verlernt haben sollen. Ganz normal, aber doch gekonnt, ob einfach oder hochprofessionell: Alle kochen seit Wochen zu Hause. Der EssPress hat genauer nachgefragt, was in heimischen Küchen zubereitet wird

Alexandra Laubrinus 1

Auch Alexandra Laubrinus, Geschäftsführerin der Berlin Food Week, kocht seit Beginn der Kontaktsperre vor allem unter der Woche mehr als jemals zuvor. „Dafür liebe ich einfache, saisonale Rezepte mit möglichst wenigen Zutaten. Die sind neben der Arbeit einfach umzusetzen und es reicht aus, einmal in der Woche in den Supermarkt zu gehen. Und es ist ein guter Ausgleich zu den komplexeren Gerichten, die ich bei meinen Lieblingsrestaurants bestellen kann.“

Neu in ihrer Kochbuch-Sammlung ist „Greenfeast“ von Nigel Slater, das eine große Auswahl an vegetarischen Alltagsgerichten enthält, die man als Inspiration nutzen, individuell abwandeln und kombinieren kann. „Ich habe bereits etliche Rezepte ausprobiert und bin durchweg begeistert. Nigel Slater und ich teilen eine Gemeinsamkeit: Wir lieben es aus Schüsseln zu essen.“ 

Paprika-Kichererbsen-Creme

Einfach und schnell gemacht, gerade auch für die kommende Grillsaison, ist die Paprika-Kichererbsen-Creme oder auch Hummus:

Homecooking Alexandra 2
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500 g rote Parika halbieren, mit der offenen Seite auf ein Blech legen und mit wenig Olivenöl beträufeln (ich habe etwas großzügiger mit einem Silikonpinsel bestrichen, denn das Öl sorgt nachher für eine schöne Konsistenz der Creme). 6 Zehen Knoblauch hineinlegen. Alles für 40 Minuten in den auf 200 Grad vorgeheizten Ofen – bis die Paprika schön weich und die Haut schwarz angelaufen ist.
Danach etwas abkühlen lassen und die Haut der Paprika abziehen. Ich lege gern ein feuchtes Tuch über das noch heiße Blech, die Feuchtigkeit sorgt dafür, dass das Pellen noch einfacher wird.
Paprikafilets, die aus den Häuten gedrückten Knoblauchzehen und das Öl beiseite stellen.
400 g Kichererbsen aus der Dose mit 4 Zweigen Thymian und 2 Lorbeer­blättern 15 Minuten köcheln lassen. Ich benutze lieber getrocknete Kichererbsen, die sollten aber über Nacht eingeweicht werden und brauchen ca. 60 Minuten Kochzeit. Danach den Lorbeer entfernen.
Jetzt kommt der entscheidende Trick: Die Creme wird viel samtiger, wenn man die Kichererbsen von den Häutchen befreit. Dauert deutlich länger, ist aber auch unglaublich entspannend.
Eine Handvoll Kichererbsen beiseite stellen, den Rest (ob nun geschält oder nicht) mit der Paprika, dem Thymian, dem Öl und dem Knoblauch in ein hohes Gefäß geben und mit dem Pürierstab zu einer glatten Creme verarbeiten. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.
Den Rest der Kichererbsen in einer Pfanne mit etwas Olivenöl goldbraun braten.
Zum Anrichten die Creme in eine Schale geben, die angebratenen Kichererbsen in eine Mulde verteilen, etwas Olivenöl darüber und wer mag noch dünn mit einer Prise Paprikapulver bestäuben.
Passt gut zu geröstetem Brot, Fleisch oder grünen Gemüsegerichten.


Stefanie Hofeditz kocht

Stefanie Hofeditz 1

Immer auf der Suche nach dem wärmsten Platz für ihren Hefe- oder Sauerteig: Stefanie Hofeditz. Sie schreibt gerne und viel als freie Journalistin über Restaurants, Kochbücher und Genuss allgemein. Da wir ja momentan wegen Corona leider nicht Essen gehen können, schreibt sie eben viel über die Kreativität und Aktionen der Gastronomen in der Krise. Sie ist dankbar, ihren Job einfach Zuhause weitermachen zu können und kann’s nicht erwarten, wieder auszugehen

Lange hat sie zu Studentenzeiten in Wohnzimmer-Restaurants gekocht. Jetzt versucht sie Zuhause ihre Lieblinge aus Berliner Küchen nachzukochen – wie Zhong Shui Jiao von Liu ChengduWeidao aus Mitte, Pani Puri aus dem Layla in Kreuzberg oder Spinatsalat mit Miso und Trüffel aus dem 893 Ryotai. Ob das klappt kann man auf Instagram bei @stefanieundberlin nachlesen. 

Ihre Inspiration findet sie auf Instagram. „Nie war man den großen Köchen und Bäckerinnen so nah: Massimo Bottura bereitet mit uns Nudeln und Eintöpfe zu, David Chang verrät uns sein liebstes Frühstücksgericht (gebratener Reis!) und Jennifer Latham, Head of Bakery von Tartine, erklärt bis ins kleinste Detail wie wir einen Sauerteig-Starter ansetzen.“

Homecooking Stefanie index

Garden Focaccia

Richtig angeben können Sie mit der Garden Focaccia, auf die Stefanie Hofeditz auch bei Instagram gestoßen ist. Von Anfang bis Essen dauert’s circa drei Stunden. Und so einfach geht’s:

1.  Ein Päckchen Hefe mit einer Prise Zucker und etwas warmen Wasser gut verrühren.
2.  Eine Mulde in 500 g Weizenmehl (alle Typen, aber kein Vollkorn) machen, die Hefe reingießen, und mit etwas Mehl leicht verrühren. An einem warmen Ort abgedeckt ein halbes Stündchen gehen lassen.
3.  Dann 250 ml warmes bis sehr warmes Wasser, drei Esslöffel Olivenöl und einen Schmiss Rosmarin hinzufügen und einen recht geschmeidigen Teig kneten – circa 3-5 Minuten lang. Abgedeckt an einem warmen Ort zwei Stunden gehen lassen. (Kann aber auch bis zu fünf Stunden stehen, wenn Sie vorher keine Zeit haben um sich drum zu kümmern)

Homecooking Stefanie 2

4.  Der Teig sollte sich circa verdoppelt haben, sonst länger, wärmer stehen lassen. Auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech geben, die Menge reicht für ein Blech. Jetzt nicht penibel werden, sondern schön mit den Fingern ausbreiten, der Teig soll maximal ein Zentimeter hoch sein. Abgedeckt eine halbe Stunde warm stehen lassen.
5.  Herd auf 200 Grad stellen. Während der Teig sich in seine neue Form einfindet, Gemüse schneiden, Kräuter waschen. Drauf kann, was innerhalb von 20-30 Minuten noch leicht knackig ist.
Ja: halbierter Spargel, Tomaten in allen Farben, Paprika, getrocknete Kräuter, Pesto, Bärlauch, Zwiebeln, besonders hübsch sehen Frühlingszwiebeln aus.
Nein: Kartoffeln, Süßkartoffeln, irgendwelche Kohlvarianten. Den Teig mit dem Gemüse belegen, besonders chic ist einen Garten mit Blümchen und Blätter aus dem Gemüse zu legen. Toll auch für Kinder!
6.  Danach mit etwas Maldon Sea Salt (es ist einfach das Beste, ja, ich habe auch über Mikroplastik gelesen, es ist trotzdem das Beste) bestreuen und mit etwas Olivenöl besprühen oder beträufeln. In den 200 Grad heißen Ofen circa 20-30 Minuten (je nach Herd) schieben, das Blech nach 15 Minuten drehen, meist ist es hinten viel heißer als vorne. Der Teig sollte leicht gebräunt sein. Fertig!


Maria Kufeld kocht

Fotos: Maria Kufeld Maria Kufeld 1

Maria Kufeld arbeitet wie viele nicht nur als Redakteurin zu Hause, sie betreut da auch ihr Kind. Auch das stellt sie vor neue Herausforderungen. Und für sie ist Home Office zu Quarantäne­zeiten schon anstrengender als der Normalzustand. „Schließlich macht Corona auch mental was mit einem. Immerhin versuche ich meinen Bewegungsmangel mit regelmäßigem Online-Yoga zu begegnen. Ansonsten muss man das Beste draus machen“. Und so testet sie z.B. viele ihrer Kochbücher durch, „als gäbe es kein Gastro-Morgen mehr“. Ab und an bestellt sie aber auch bei einem ihrer Lieblings­restaurants

Homecooking Maria Aufmacher

Maispuffer

Für sie sind Maispuffer ideal für ein schnelles und leichtes Abendessen. Das Rezept stammt ursprünglich aus dem Buch „Barbara kocht“ von Barbara Bonisolli, erschienen im Callwey Verlag

Homecooking Maria 2

Rezept für die Puffer:
350 Gramm Mais (aus der Dose), davon 100 Gramm mit Salz und Pfeffer und 1 Ei pürieren,
mit 80 Gramm geriebenem Käse (z.B. Bergkäse), 3 EL Mehl und 2 EL weicher Butter vermengen,
braten

Homecooking Maria 3

Rezept für den Dip:
220 Gramm Quark mit 80 Gramm Joghurt, 2 EL gutem Olivenöl, einem ordentlichen Spritzer Zitrone, Salz, Pfeffer und gehackten Kräutern deiner Wahl verrühren, abschmecken und zu den Puffern schmecken lassen!


Michael Hetzinger kocht

Fotos: Michael Hetzinger Michael Hetzinger 1

Michael Hetzinger ist Geschäftsführer der PR-Agentur Schröder + Schömbs. Eines seiner Projekte ist die Berlin Food Week. Corona hat natürlich Auswirkungen auf das Business, denn Aufträge wurden verschoben oder reduziert. „Daher mussten wir zum ersten Mal während unseres 30-jährigen Bestehens Kurzarbeit einführen. Die Arbeitsabläufe sind aber durch Home Office nicht beeinträchtigt. Zum Glück haben wir in der Agentur schon vor drei Jahren damit begonnen, unsere Systeme auf ,Cloud‘ und ,Remote‘ umzustellen.“

Am 16. März begann mit wenig Vorwarnzeit der Stress-Test: Quasi über Nacht verlegten über 30 Mitarbeiter der Agentur ihren Arbeitsplatz nach Hause. Aufgrund der Corona-Krise pausiert dieses Jahr auch die Berlin Food Week. „Ich bin Foodie durch und durch, daher fehlt mir natürlich die Arbeit an der Berlin Food Week sehr.“ Dank der gewonnen Zeit hätte er so aber die Muße, sich intensiv seiner Leidenschaft, dem Kochen, zu widmen. „Da auch ich im Home Office arbeite, kann ich schon in der Mittagspause mit dem Kochen anfangen. So sind auch wochentags aufwendigere Gerichte möglich, für die ich sonst nur am Wochenende Zeit habe. Das Wochenende nutze ich nun dafür, den Wocheneinkauf zu machen.“

Michael Hetzinger liebt italienische Küche. Eines seiner Lieblingsrezepte ist obendrein auch noch klimafreundlich vegetarisch:

Homecooking Micha 2

Parmigiana di Melanzane

Dieser Auberginenauflauf ist ziemlich aufwendig in der Vorbereitung, ist aber jede Mühe wert, denn er schmeckt nach Sommer. Ich mache immer eine große Portion, dann kann ich die Reste am nächsten Tag essen und freue mich doppelt.
Da man die Auberginen beschweren muss, damit sie Wasser ziehen, habe ich nebenbei die Gelegenheit, mir einen aktuellen Überblick über meine Kochbuch-Kollektion zu verschaffen. ;-)

Homecooking Micha 3

Das Rezept:
4 Auberginen
800 g Tomaten aus der Dose (am besten San Marzano)
1 Zwiebel
2 Knoblauchzehen
1 EL Zucker
1 TL Oregano, gehackt oder getrocknet
Rotwein, Olivenöl
Salz, Pfeffer, Chilipulver
4 Päckchen Büffelmozzarella
200 g Parmesan
Frischer Basilikum

Die Zubereitung dauert ganz entspannt 1,5 Stunden + 30 Minuten Backzeit im Ofen:
1.  Die Auberginen der Länge nach in ca. 1 cm dünne Scheiben schneiden, jede Scheibe salzen, die Auberginen übereinander schichten und beschweren, am besten mit Kochbüchern. ;-) Ca. 10 Minuten Wasser ziehen lassen.
2.  Währenddessen die Zwiebel und den Knoblauch fein hacken und in Olivenöl anschwitzen, bis sie glasig sind. Anschließend die Tomaten dazugeben, mit Oregano, Zucker und etwas Salz würzen und sanft köcheln lassen. Zwischendurch nach und nach etwas Rotwein dazugießen. Je länger die Sauce nebenbei köchelt, umso intensiver wird sie.
3.  Die Auberginenscheiben mit einem Küchentuch trocken tupfen und in heißem Öl von jeder Seite ca. 2 bis 3 Minuten anbraten, bis sie schön weich werden. Nach dem Braten auf Küchenpapier legen und so das überschüssige Öl entfernen.
4.  Die Tomatensauce mit Salz, Pfeffer, Chili und Olivenöl abschmecken.
5.  Den Mozzarella in Scheiben oder Stücke schneiden, den Parmesan fein reiben.
6.  In eine Auflaufform abwechselnd gebratene Auberginenscheiben, Tomatensauce, ein paar Scheiben Mozzarella und etwas Parmesan schichten. Als letzte Schicht Tomatensauce mit Mozzarella und Parmesan belegen, mit etwas Olivenöl beträufeln.
7.  Auflaufform für ca. 30 Minuten in den auf 180 Grad vorgeheizten Backofen stellen, bis sich an der Oberfläche eine schöne Kruste gebildet hat.
8.  Vor dem Servieren mit frischem Basilikum garnieren.


Franz Michael Rohm kocht

Fotos: Franz Michael Rohm Franz Michael Rohm

Den Anfang machte Franz Michael Rohm, einer der erfahrensten Journalisten in Sachen Food. Er hat in fast 33 Jahren als freier Journalist in den Bereichen Gastronomie, Reise und Reportage Höhen und Tiefen überwunden. Ob das auch nach Corona gelingt, wissen die Göttinnen. Er hätte noch nie so viel selbst gekocht wie in den vergangenen sechs Wochen. Mit Understatement zeigt er wie einfach es sein kann, einen entspannten Abend einzuläuten. Musik von Stevie Wonder, z.B. Innervisions, passt hervorragend dazu

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Asiatisches Wok-Gericht

Dieses Essen gehört zu den Lieblingsgerichten meiner Frau. Es ist nicht nur gesund und bekömmlich, sondern auch schnell zubereitet.

Man kann alles an Gemüse verwenden. Karotten, Paprika, Zuckerschoten, Champignons, aber auch Pastinaken, sogar Salat und Tomaten. Dazu aus dem Asialaden Pak Choi, Sojasprossen, Ingwer, Kokosmilch. Wenn wieder Flugzeuge fliegen auch Thai-Basilikum und Koriander. Zur Würzung Chili und Knoblauch.

Wer Fleisch mag? Alles geht, auch Fisch und natürlich Tofu oder Seitan. Mir schmeckt dazu Freiland-Maishähnchen. 150 Gramm reichen für zwei Personen.

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Alles klein schneiden, Fleisch mit Zwiebeln kurz anbraten, zur Seite stellen. Dann eine Tasse Reis mit etwas Rapsöl und Salz aufsetzen, zwei Tassen Wasser dazugeben. Jetzt zuerst Karotten, Paprika und Champignons im Wok in Sesamöl anbraten, dann Pak Choi, Knoblauch, Ingwer und Chili dazugeben. Ca. 10 Minuten bei kleiner Flamme garen, öfter mal umrühren. Wenn beim Reis das Wasser fast verkocht ist und nur noch kleine Bläschen an der Oberfläche zu sehen sind, runter vom Feuer, Deckel drauf, 10 Minuten ruhen lassen.

In der Zwischenzeit Hühnchen oder Seitan zugeben, Zuckerschoten und Sojasprossen dazu, Koriander feinhacken. Kokosmilch unter das Gericht rühren, zwei bis drei Minuten ziehen lassen, mit Salz abschmecken, gehackten Koriander drüberstreuen. Servieren.

Dazu: knackig kalter Riesling, z. B. vom Weingut Holger Barth, von der Nahe.