Fotos: Michael Hetzinger Aufmacher Horváth
Lieferservice

Butterstriezel und Lángos-Bällchen

Die Wohlfühlküche ist wieder da! Die Corona-Krise scheint in den Menschen die Sehnsucht nach einfacher Hausmannskost zu wecken – #soulfood statt #foodporn allerorten. Das haben wohl auch Horváth-Inhaber und Küchenchef Sebastian Frank und sein Team gemerkt und seit dem 1. Mai einen „Schmankerl-Markt“ auf der Terrasse eröffnet

Die Neugier war groß und direkt am ersten Tag, pünktlich zur Eröffnung, war ich zusammen mit meiner Kollegin Alexandra da. Gleich vorweg: Gratulation an das Horváth-Team für die tolle Entscheidung zu einem Konzept, das auf die Demokratisierung der Küche setzt und nicht versucht, ein Sterne-Konzept to go umzusetzen. Unsere Sehnsucht nach einfach leckerer österreichischer Wohlfühlküche wurde vollkommen gestillt.

Horváth 1

Dank der für Sterneküche schmalen Preise konnten wir uns durch­schlemmen: Mit einem Happs waren die frisch frittierten Lángos-Bällchen verputzt (5 Stück für 5 €) – kräftig gewürzt und luftig-fein. Der kleine Blutwurstmuffin war schön locker mit leichtem Kümmelaroma, dürfte aber gern aus etwas mehr Blutwurst bestehen (1,50 € das Stück).

Vollgepackt mit Weckgläsern gab es Zuhause eine Fortsetzung des Tastings. Der buttrig-zitronige Butterstriezel bietet die perfekte Unterlage für das Signature-Gericht „Pilzleberkrem“, quasi eine vegetarische Version einer Foie Gras (5 € das Glas). Schmeckt Zuhause mindestens genauso gut wie im Restaurant. Weintipp dazu: ein Glas Gelber Muskateller. Zwei klare Brühen (Rind und Gemüse, 6 bzw. 5 €) plus Einlage (Grießnockerl und Leberpofesen, je 3 €) machten das Mittagessen komplett. Highlight waren die aromastarken und ausbalancierten Brühen. Typisch Horváth – bei aller Einfachheit merkt man natürlich bei allen Gerichten den feinen Unterschied.

Zum Glück gibt es auch für den nächsten Besuch noch genug zum Ausprobieren: einen wechselnden Sonntagsbraten, Apfelstrudel mit Vanillesauce, Leberkässemmeln, Kartoffelgulasch und mehr. Und natürlich auch eine Auswahl guter Weine. Geöffnet hat der Schmankerl-Markt freitags bis sonntags von 12 bis 18 Uhr. Wir sehen uns! (Michael Hetzinger)

Schmankerl Markt
auf der Terasse vom Horváth, Paul-Lincke-Ufer 44a, Kreuzberg, Tel. 030 61 28 99 92, www.restaurant-horvath.de, Fr-So 12 bis 18 Uhr, bei schlechtem Wetter können die Gäste die wechselnden Schmankerln im Restaurant kaufen.



Foto: Beba Restaurant Aufmacher Beba Restaurant

Orient-Express

Auch wenn die Ausstellungsräume des Martin-Gropius-Baus an der Niederkirchnerstraße wieder geöffnet haben, bleibt das „Beba“ zwar noch geschlossen, es bereitet seine Speisen aber abholbereit zu oder liefert sie aus

Dieses außergewöhnliche Museumsbistro mit israelischer Küche betreibt seit einem Jahr Shani Leiderman. Ein halbes Dutzend Vorspeisen, Mezze genannt, und fünf Hauptgerichte stehen auf der Website im Angebot. Allerdings muss man einen Tag im voraus bestellen und erhält als erstes ein Zeitfenster von drei Stunden, das man aber auf 1,5 Stunden reduzieren kann. Die Seite ist auf englische Sprache voreingestellt, es gibt aber auch eine passable deutsche Übersetzung.

Man kann sich ein kleines Menü zusammenstellen oder wählt einfach das Angebot Beba-Tisch für zwei. Das kostet 50 Euro, inklusive Lieferung. Gerösteter Brokkoli, cremig-aromatisches Hummus, gerösteter Weizen mit Petersilie, hausgemachtes, feinkörniges Couscous, Salat von geschmorter Aubergine: alles mundete wunderbar. Dazu gab es eine kleine Portion Mix-Pickles vom Blumenkohl, Pepperoni und Gurke und fluffiges Weißbrot sowie zwei fruchtige, hausgemachte Limonaden im Glas.

Foto: Franz Michael Rohm Beba Restaurant 1

Die Hauptgerichte, der nordafrikanische Gemüseeintopf mit Keule vom Freilandhähnchen und ein mächtig großes Stück Zitronen-Lachs musste noch einmal in den Ofen. Dieses Aufwärmen schadete Eintopf und Geflügel nicht, der Fisch wurde dadurch allerdings fest. Geschmacklich war er gerade noch akzeptabel, die Konsistenz allerdings eher nicht.

Trotzdem war es, nachdem alle Vorspeise aus den Plastikverpackungen befreit waren, ein vergnügliches Essen, vor allem wegen der Mezze, die mundeten allesamt prima. Dazu gab es noch einen grünen Salat mit orientalischer Sauce, klasse der Crunch mit karamellisierten Walnüssen. Zur Würzung kamen noch zwei Gläser mit rotem, mittelscharf-würzigem Harissa und eine Entdeckung namens Schug. Das ist eine jemenitische Mischung aus Sonnenblumenöl, Koriander, Knoblauch, Cumin, Chili und Koriandersamen. Sie verfeinerte sowohl Hähnchenschenkel als auch Lachs, passte aber auch zu den Mezze. Von denen sind wir auch am nächsten Tag noch einmal satt geworden. (Franz Michael Rohm)

Beba Restaurant
Gropius Bau, Niederkirchnerstraße 7, Mitte, Tel. 0157 31 90 70 76, Bebawillfeedyou@gmail.com, www.bebarestaurant.com,
bitte mindestens einen Tag im Voraus bestellen, Lieferungen und Abholungen finden statt am Freitag, Samstag und Sonntag von 14 bis 19 Uhr



Foto: The Wilson’s Aufmacher The Wilson’s

Prime Rib im Wasserbad

Wenn Fleisch, dann aber auch richtig gutes. Das Restaurant The Wilson’s mit seiner neuen Küchenchefin Susanne DeOcampo-Herrmann liefert Prime Rib nach Hause

Eigentlich – dieses Wort ist zur Zeit das Wort der Corona-Zeit. Und so wollte die weltweit erfahrene Susanne DeOcampo-Herrmann in der Küche langsam loslegen mit einem neuen Konzept. Es sollte neben bestem Fleisch auch mediterrane side dishes auf die Tische des Restaurants Wilson’s im Crowne Plaza kommen. Jetzt ist also alles anders und die taffe Frau sorgt für Menüs, die nach Hause geliefert werden. Die Bestellung läuft ganz einfach über die Homepage, neben dem „Gourmet Prime Rib“-Menü steht ein Fisch- und ein vegetarisches Menü zur Auswahl.

Das Drei-Gänge-Fleisch-Menü soll den legeren Sonntag zu einem besonderen Tag machen. Die Zutaten sind nach dem jeweiligen Gang sortiert, und auf den Gläsern und Tüten steht handschriftlich, was genau zu tun ist. Das macht den etwas klinischen Anschein warmherziger. Das Brot ist im Ofen schnell aufgebacken samt der niedergegarten Garnele auf der Kräutercreme, vom Wakame-Salat mit gebeiztem Kabeljau und geräuchertem Lachs muss nur die Folie abgezupft werden. Die Vorspeise ist samt Sauce und frisch geriebenem Meerrettich (der soll angeblich zum Hauptgang, macht sich aber zum Fisch auch sehr gut), gelungen und so reichlich, dass wir – eigentlich – mit einem Gast, also zu dritt davon essen hätten können.

Foto: emh The Wilson’s 1

Bei der Zubereitung kann kaum jemand etwas falsch machen, man sollte das Wasser beim Spargel, bevor man anrichtet, aus dem Beutel abgießen und beim Fleisch den Saft gesondert auffangen – wer will. Insgesamt sind es 20 bis 30 Minuten bis alles fertig ist.

Der Hauptdarsteller, das Prime Rib, ist vakuumiert und wird in 60 Grad warmem Wasser zwanzig Minuten lang gegart. Danach in der Pfanne nochmals kurz und scharf angebraten, Spargel, Jus und Butter kommen ebenso ins Bad, das Kartoffelküchlein in den Ofen. Der Spargel ist erstaunlicherweise bissfest, das Fleisch butterzart und aromatisch. Die Rosmarin-Jus passt gut zum Fleisch und zur Kartoffelbeilage. Das Dessert wird auf den nächsten Tag verschoben, denn wie gesagt: die Portionen sind üppig bemessen. Aber das Schokoladenküchlein mit flüssigem Kern ist noch mal ein Argument, um zum Wiederholungstäter zu werden. Das Menü rundet einen faulen Sonntag gelungen ab. (emh)

The Wilson’s
im Crowne Plaza Berlin City Centre, Nürnberger Straße 65, Schöneberg, Tel. 0162 946 05 86, info@restaurant-wilsons.de, www.restaurant-wilsons.de.
Bestellungen werden telefonisch, per E-Mail oder über den Shop auf der Homepage angenommen und werden 24 Stunden im Voraus erbeten. Eine Selbstabholung oder Anlieferung ist zwischen 12 und 21.30 Uhr möglich. Lieferung innerhalb von 5 km kostenlos, 6 bis 10 km zzgl. 5 Euro, 11 bis 25 km zzgl. 10 Euro. Bezahlung per Kreditkarte, PayPal oder Cash.



Fotos: Jan-Peter Wulf Aufmacher Goldies

Frittenfahrt

Die Pommes von „Goldies“ sind für viele die Besten der Stadt. Doch was können sie, wenn geliefert?

Pommes essen hat ja eigentlich ganz viel mit dem Ort ihres Verzehrs zu tun. Direkt in oder an der Imbissstube: ideal. Mit etwas Chlorwasser und leicht verbrannten Augen gemixt im Schwimmbad: einzigartig. Auf der britischen Insel mit malzigem Essig getränkt: ein Traum. In Streichholzform im französischen Restaurant: charmant. Alle vier Optionen fallen derzeit weg. Aber: Die möglicherweise besten Pommes der Stadt, auf jeden Fall aber sehr gute, gibt’s nach wie vor – bestellbar bei „Goldies“ in Kreuzberg.

Die Betreiber des hippen Imbisses Kajo Hiesl und Vladislav Gachyn waren zuvor bei keinem Geringeren als Sven Elverfeld im „Aqua“ in Wolfsburg (drei Michelinsterne) tätig und stecken seit nunmehr drei Jahren zusammen mit dem Dritten im Bunde, Felix Lerner, ihre ganze Energie in die frittierte Kartoffel. Die hier freilich selbstgeschnitzt wird. Im Laden – mehrfach probiert – schmeckt sie Hammer, pur oder mit herzhaften Herrlichkeiten wie Chili-Käse-Sauce übergossen, respektive gezupfter Pekingentenkeule und Hoisin-Pflaumen-Mayo sublimiert.

Goldies 1

Und wie sieht das Ganze aus, wenn geliefert? Das wollen wir wissen. Die Speisen von „Goldies“ stellt nicht etwa der Liefer-Goliath Lieferando zu, der zurzeit einige Kritik einstecken muss (Fahrer*innen kritisieren mangelnde Hygiene- und Schutzausstattung, es läuft eine Petition, zudem steht der Vorwurf im Raum, Lieferando unterwandere seinen Betriebsrat). Exklusiver Lieferant für „Goldies“ ist das Kollektiv „Kolyma 2“, das mit seinen Partner-Restaurants einen Mindestbestellwert von 30 Euro vereinbart hat und zudem drei Euro Liefergebühr pro Bestellung aufschlägt. Das schafft mehr finanziellen Spielraum, sprich Erlöse für die Kuriere. Mit der Bestellung bekommt man auch Hygiene-Hinweise per Mail: Abstand halten, Speisen auf Teller umpacken, Hände waschen nicht vergessen. Es klingelt, der sportlich gekleidete Fahrer stellt die Papiertüte vor die Tür, wünscht guten Appetit und weg isser wieder.

Und da sind: eine große Portion Pommes, einmal Chili Cheese Fries, einmal Eisbein-Pommes, einmal Honeybutter Fried Chicken, dazu Miso-Mayonnaise und grüne Chilibutter. Hände gewaschen und los geht das Soulfooden. Die Pommes: nicht mehr so heiß wie vor Ort, aber mit akzeptabler Temperatur und gutem Biss. Das Eisbein: lecker, noch besser das kräftig fermentierte Sauerkraut. Die Pommes unter Käse und Chili – das am wenigsten lieferfähige Produkt, à la minute genossen deutlich besser, geht es doch darum, dass die Fritten nicht zu weich werden. Tagessieger ist das frittierte Hühnchen mit süßlicher Butter. Insgesamt ein hochkalorisches Vergnügen, nach dem man eigentlich selbst einen Tag lang mit dem Kollektiv radeln müsste. Und dennoch: „Goldies to stay“ wird sehnsüchtig zurück erwartet. (Jan-Peter Wulf)

Goldies
Oranienstraße 6, Kreuzberg, Tel. 030 74 78 03 20 (Vorbestellen & Abholen), info@goldies-berlin.de, www.goldies-berlin.de, Mi+Do 16-21 Uhr, Fr-So 14-21 Uhr, Liefergebiet: 3 km, www.kolyma2.coopcycle.org/de