Neueröffnungen

Glücksspieler oder coole Strategen?

Schwierige Zeiten – für die Restaurants der Stadt sind sie es ganz besonders. 60 Prozent der gastronomischen Betriebe sollen laut Umfragen um ihre Existenz kämpfen. Und trotzdem gibt es Neueröffnungen. Sind das verwegene Glücksritter? Unerbittliche Optimisten? Oder einfach nur Zocker mit Kalkül, die jetzt ein Restaurant aufmachen?

Tim Hansen, Koch Kamel Haddad und Vitali Müller, Foto: Florian Kottlewski 12 Seasons

Sie sind Profis und wissen, was sie tun. Auf die provokante Frage, ob es nicht mehr Sinn macht, umzuschulen, vielleicht Erdbeeren zu züchten oder in die IT-Branche zu wechseln, erntet man nur mitleidige Blicke. Unter dem Motto, das können nur Journalisten fragen, erklärt Vitali Müller vom 12 Seasons, dass es ihr Lebenstraum sei – das neue Projekt. Gemeinsam mit Tim Hansen hatten sie ihr vorheriges Restaurant Neumond in Mitte aufgegeben, um ihre Idee, nämlich jeden Monat ihre Gäste mit neuen saisonalen Gerichten zu verwöhnen, zu realisieren. Mit der Küche als Mittelpunkt, um die herum auf Barhockern gegessen wird. „Unser Konzept bedeutet, dass der Gast einen langen Abend bei uns verbringen soll.“

Das ehemalige Juleps – Burger und Cocktails – wurde im wohlsituierten Bezirk Charlottenburg auserkoren. In der Gegend, wo eine kleine Wohnung 200 Quadratmeter groß sei. „Die Entscheidung dafür fiel vor Corona“, so Tim Hansen, „und zwischendurch war es dann doch sehr anstrengend“, das gibt er immerhin zu. „Wir mussten die Mitarbeiter mit Kurzarbeit versorgen, Anträge stellen, beide Läden ausräumen, mit den Banken im Gespräch bleiben.“ Und auf einmal sei man als Gastronom persona non grata geworden. „Plötzlich war das Business mit Gastronomie nichts Gutes. Das war dann schwierig, aber der Gedanke ans Aufgeben kam nie.“

Anfang Oktober soll es losgehen in der Giesebrechtstraße, die laut Müller und Hansen gerade eine Verjüngung erfährt. Familien aus Mitte und Prenzlauer Berg ziehen hierhin, und die Akzeptanz, was innovative Restaurantkonzepte betrifft, würde steigen. Die beiden haben hart kalkuliert, aber mit nur 50 Prozent ihrer Plätze, also mit 50 Prozent ihres Umsatzes, kämen sie nicht hin. Vielleicht hilft der Vorgarten weiter oder in kälteren Zeiten im Inneren „die lustigen Schutzwände“, so Müller. Beide sind nach einer kompletten Sanierung – sie haben selbst den Strom neu gezogen – gelassen optimistisch. „Jetzt haben wir Strom, nur die Küche ist noch nicht komplett“, so der aktuelle Stand.

Lukas Mann, Maximiliane Wetzel und Martin Pöller Frühstück 3000

„Bei uns ist die Küche fertig, aber es gibt keinen Strom“, so beschreibt Martin Pöller, einer der drei Geschäftsführer von Frühstück 3000 die Situation. Davor gab es an dieser Ecke einen Videoverleih, der keine hohen Ansprüche an Energieleistungen hatte. Eine neue Stromleitung muss von der Straße ins Restaurant gelegt werden.

Mit größeren Erwartungen ist es an dieser Ecke generell nicht weit her. Bülow-/Ecke Zietenstraße erfährt mit dem neuen Restaurant eine Aufwertung. Bisher beleuchtete eher schummriges Rotlicht diese Gegend. „Die Prostitution stört am wenigsten, die dahinter stehen sind das Problem“, so Martin Pöller. Schwierige Zeiten und eine schwierige Ecke? Angst vor dem Scheitern? Der Name Frühstück 3000 ist Programm und bereits als Pop-up in Berlin bekannt. Die drei Macher, Lukas Mann gehört dazu, sind zudem in der Hauptstadt durch ihren beruflichen Werdegang über verschiedene Stationen, wie zum Beispiel dem Hotel Adlon, mit Kollegen und Gästen gut vernetzt.

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(Den vollständigen Artikel mit weiteren Neueröffnungen können Sie in der aktuellen Ausgabe lesen)


12 Seasons
Giesebrechtstraße 3, Charlottenburg, www.12seasons.berlin

Frühstück 3000
Bülowstraße 101, Schöneberg, www.fruehstueck3000.com