#Jetzterstrecht

Durchhalten und weitermachen!

Berlin hat es wieder mal nicht leicht. Dabei ging es doch ganz gut mit dem Krisenmanagement. Doch nun kommt der Herbst und alles wird schlimmer. Wirklich? Oder macht sich einfach nur Hysterie breit? Eva-Maria Hilker über den Umgang mit dem Virus, mit den Berlinern und den Restaurantbesuchen

Bricole-Inhaber Fabian Fischer mit Stammgast Benjamin Brake Bricole
Benjamin Brake:
„Das Bricole unterstützen?
Da muss ich gar nicht lange nachdenken!
Ich mag das Restaurant, weil die Küche fantastisch ist, aber nie überkandidelt, die Weinauswahl grandios, die Atmosphäre lässig.
Ich fühl mich dort wohl und sicher, weil ich sehe, dass Fabian und sein Team Abstände und Hygieneregel einhalten und sich ein Bein für ihre Gäste ausreißen.“

Egal wann und wo sich die Kollegen Food-Journalisten treffen, immer kommt es zu dem Punkt, welches Restaurant die Hygieneregeln nicht einhält. Denunzieren tut hier keiner. Nun hat auch der Gesundheitsminister Jens Spahn so eine Adresse erwischt. Beim Eintreten eines Restaurants hat ihm das Service-Personal vermittelt, dass er keine Maske tragen müsste, dass man das locker sieht. Er hat hoffentlich ein ordentliches Donnerwetter losgelassen und umgehend das Restaurant verlassen. Leider hat er aber auch diese Begebenheit auf ganz Berlin und deren Gastronomie runtergebrochen. Dabei könnte ihm das auch in Hamburg, Stuttgart, München oder Osnabrück passieren. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat schon vorher über Berlins Corona-Politik gemeckert, und verlautbarte, es müsste jetzt was passieren!

Und nun weiß der Berliner Senat nicht so richtig, was er damit anfangen, was denn nun genau passieren soll. Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) weiß auch nicht so recht und diskutiert mit sich und öffentlich die Möglichkeiten wie Sperrstunden und Alkoholverbot. Das ist albern. Jeder Mensch weiß, dass Alkohol locker macht. Deshalb trinken wir ihn auch. Es geht auch um die jungen Menschen, um diejenigen, die der Stadt Berlin das Image einer jungen weltoffenen Metropole gegeben haben, wo getanzt und gefeiert wird. Und im Sommer haben diese jungen Menschen gefeiert. In Parks und auf bekannten Brücken und in bekannten Straßen. Für viele sollte es der Sommer ihres Lebens werden. Das Abi in der Tasche und ein neuer Lebensabschnitt sollte beginnen. Kein offizieller Abi-Ball, keine offizielle Party, sondern im Park feiern. Gestört hat, mal ganz ehrlich, die Lautstärke und der Müll, den sie hinterlassen haben. Dass sie sich gegenseitig anstecken, das haben sie in Kauf genommen. Alle anderen haben an diesen Partys nicht teilgenommen. Mich hat man jedenfalls nicht dahin geschleppt. Und während des beruflichen Alltags haben sie sich verantwortungsvoll verhalten. Sicher nicht alle. In Charlottenburg kann man beobachten, dass die Ü50-Generation die Masken gar nicht leiden kann, weder beim Einkaufen noch in den öffentlichen Verkehrsbetrieben. Charlottenburg hat scheinbar Atemwegsprobleme.

Berlin also. Mal wieder schlechtes Beispiel für – na was denn bitte? Dafür, dass wir alle seit Monaten in einem Sonderzustand leben? Dafür, dass viele in der Hauptstadt nicht wissen, wie sie existenziell das Ganze überstehen sollen? Dass es tatsächlich Menschen gibt, die sich den ganz normalen Alltag wünschen?

Die Hotels zum Beispiel. Sie würden während der Herbstferien gerne Berlinbesucher empfangen. Spitzenköche mit internationaler Reputation hätten sich über Gäste aus Schleswig-Holstein oder Bayern gefreut. Geht nicht! Mitte, Neukölln, Friedrichshain-Kreuzberg und Tempelhof-Schöneberg sind Krisengebiete. Wie will da noch jemand für einen Städtetrip das Risiko einer Quarantäne eingehen?

Die Berliner müssen sich jetzt mit kleinstaatlichem Getue rumschlagen, wer sie denn nun ins Bundesland lässt. Wie unerfreulich das alles. Aber es hat den Vorteil, dass man das Geld, was man dort ausgegeben hätte, nun hier zur Verfügung hat. Ich appelliere: Für Restaurantbesuche, bitte! Für gutes Essen, für guten Wein, für einen Kochkurs, für einen extravaganten Cocktail.

Aus diesem Grund haben wir ein paar Berliner gefragt, in welche Restaurants sie denn gerne gehen, in diesen Zeiten, und wo sie sich sicher fühlen. Jedes Restaurant freut sich riesig über einen Vierer- oder Sechsertisch. Denn das lässt den Gastronomen genug Spielraum für die Einhaltung der Tischabstände. Jeder Gastgeber entspannt sich, wenn die Regeln ohne großen Hinweis und ohne Augenrollen eingehalten werden. Wir müssen jetzt noch ein paar Monate durchhalten und so viel essen gehen wie sonst nicht. Irgendwann kommen sie alle wieder nach Berlin, dann können wir uns zufrieden zurücklehnen und ganz entspannt nach Schleswig-Holstein, an die Nordsee fahren.


Vittoria ist 11 Jahre alt. Sie kennt die Peking Ente von Geburt an und ist eine der „ältesten“ Gäste:
Mengling Tang und Vittoria Peking Ente 1
Peking Ente 2

(Alle Restaurant-Empfehlungen von den Stammgästen können Sie in der aktuellen Ausgabe lesen)


Bricole
Senefelderstraße 30, Prenzlauer Berg, www.bricole.de

Peking Ente
Voßstraße 1, Mitte, www.peking-ente-berlin.de