Foto: bivvu Aufmacher Suppen
Feinkostsuppen

Diese Suppen löffeln wir gerne aus

In Asien gibt es sie bereits zum Frühstück: die Suppe. Kein Wunder, denn sie liefert eine Menge Energie und ist trotzdem gut verdaulich. Zwei Berliner Restaurants haben sich davon inspirieren lassen und setzen seit Kurzem auf Bowls, One-Pots und Eintöpfe. Miriam Leidreiter hat sich durch die flüssigen Kraftmacher gelöffelt

Martin Hartmann, Foto: Selina Schrader Martin Hartmann

Martin Hartmann, Inhaber des „Sissi“ in der Motzstraße, tut es der Namensgeberin seines österreichischen Lokals nach: Er nutzt das Reisen als Inspirationsquelle. Asien hat es ihm ganz besonders angetan. Die Suppenküchen in Thailand, Kambodscha und Vietnam versorgen Arbeiter, Büroleute und Touristen bereits am Morgen mit einem wärmenden Frühstück. „Da hast du wirklich eine sättigende, gesunde Mahlzeit, die nicht so ewig im Magen liegt – mit viel Gemüse, vegetarisch oder mit Hühner- oder Rindfleisch. Optional ohne Nudeln, dann ist es noch leichter.“ Das Reisen musste Martin seit Corona einstellen, die asiatische Tradition führt er zu Hause fort.

Seit knapp einem halben Jahr hat das Sissi One-Pots und Brühen im Programm. Vor Ort, wo sonst für gewöhnlich Schnitzel, Saftgulasch und Südtiroler Spinatknödel die Küche verlassen, werden sie frisch zubereitet und in Gläser abgefüllt. Im Zuge des zweiten Lockdowns setzt Martin auf den To-go-Verkauf seiner Power-Suppen. „Das Tolle an unseren Suppen ist, dass du dir in kürzester Zeit mit wenig Aufwand ein nahrhaftes Gericht zu Hause zubereiten kannst. In die Brühen tu ich alles, was der Kühlschrank hergibt: ein bisschen Rind- oder Hühnerfleisch, ein paar Garnelen aus dem Tiefkühler, Gemüse. Die asiatischen Nudeln sind in drei Minuten fertig. Das ist ganz wunderbar.“ Das kräftige Ragù alla Bolognese (gibt es auch vegan!) funktioniert fantastisch mit Tagliatelle und Parmesan. Bei unserem Besuch durften wir die Power Broth, eine klare Rinderkraftbrühe, mit Leberknödel probieren. Schon die ersten Löffel wecken die vom verregneten Herbsttag narkotisierten Lebensgeister. Die Wangen glühen, der Bauch wird warm. Die Brühe schmeckt nach zu Hause, Omas Kochtopf und gemütlichen Winterabenden. „Stark wie einen Bullen macht dich diese doppelte Rinderkraftbrühe“, so steht es in Sissis Online-Shop und wir können es bestätigen.

Martins Lieblingssuppe ist die Geile Sau aus Schweine- und Hühnerfleisch, asiatisch abgeschmeckt. „Schwein ist in Deutschland leider durch die Massentierhaltung sehr negativ besetzt. Deswegen verkauft sich diese Brühe eher zögerlich. Aber eigentlich ist sie die Gesündeste und meiner Meinung nach geschmacklich die Beste. Die Gelantine im Schweinefleisch macht die Brühe besonders vollmundig.“ Kritiker kann Martin beruhigen: Sein Fleisch stammt konsequent aus artgerechter Tierhaltung.

Sechs Monate halten sich Sissis Suppen im Kühlschrank. Einfach im Topf erwärmen, fertig. Wer will kann Nudeln, Gemüse und Co. hinzufügen. Martin empfiehlt, vorher einmal abzuschmecken und bei Bedarf etwas Wasser hinzuzufügen. Übrigens: Die Nam Suup eignet sich perfekt, um einen hartnäckigen Kater zu bekämpfen! Die Suppen kann man entweder online bestellen oder im benachbarten Gemüsehandel kaufen.

Sissi
Motzstraße 34, Schöneberg, Tel. 030 21 01 81 01, www.sissi-berlin.de, während des Lockdowns geschlossen. Die Suppen, Brühen und One-Pots (9,90 € bis 12,50 €) gibt es entweder online
oder neben der Sissi beim Gemüsehändler Gabriel Axan
und bei uns von 10 bis 17 Uhr in den Redaktionsräumen vom EssPress, Pohlstraße 89, Tiergarten.


Tomaten-Paprika-Eintopf, Foto: Kira Möller Tomaten-Paprika-Eintopf

Auch das Walter’s Coffey reagiert kreativ auf die erneuten Beschränkungen. „Jetzt, da es draußen ungemütlich wird und man drinnen nicht mehr sitzen darf, ist ein schöner Eintopf das Beste, was man zum Mitnehmen anbieten kann.“ findet Walter Holl, Inhaber des kleinen Cafés, das schon längst zur Institution in Zehlendorf und Umgebung geworden ist. Üblicherweise bekannt für seine frisch belegten Bagels und den außerordentlich guten Kaffee, schwingt das Walter’s Coffey jetzt auch die Suppenkelle.

Wir durften die erste Kreation der Saison probieren: Einen bunten und veganen Tomaten-Paprika-Eintopf – herrlich fruchtig, würzig und genau richtig geschärft. In Zeiten, in denen die Tage schon um 17 Uhr enden und man die Sonne nur selten zu Gesicht bekommt, schürt dieser Eintopf wenigstens das innere Feuer. „Das Gemüse gare ich im Ofen, bevor ich es zum Eintopf gebe. So entwickeln sich feine Röstnoten.“ Köchin Michaela geizt bei der Zubereitung ihrer Suppe nicht mit Aromen: Schnittlauch, Basilikum, Majoran, Knoblauch und eine geheime Gewürzmischung einer kretischen Kräuterhexe finden ihren Weg in den großen Suppentopf. Für einen runden Umami-Geschmack püriert sie ein wenig des Suds mit getrockneten Tomaten und rührt die sämige Creme dem Eintopf unter. Mit einem Schuss Orangensaft schmeckt sie das Ganze ab. „Perfekt!“, lautet ihr Urteil nach dem ersten Probierlöffel. Wir stimmen ihr gerne zu.

Den Tomaten-Paprika-Eintopf serviert das Walter’s Coffey optional mit einer Mozarella- oder Parmesan-Garnitur und natürlich nur solange der Vorrat reicht. Für 0,50 € Aufschlag gibt es eine Scheibe frischen Sauerteigbrots aus dem Domberger Brot-Werk dazu. Wir freuen uns jetzt schon auf die nächste Kreation aus der zehlendorf’schen Suppenküche!

Walter’s Coffey
Machnower Straße 6, Zehlendorf, Tel. 030 47 01 97 71, www.walters-coffey.de,
Mo-So 9.30-16 Uhr, Suppe 4,50 €, mit Brot 5 €