Fotos: Nils Hasenau Aufmacher November
November

Umgestalten und weiterdenken

Unter diesem Motto hat die „The Catch Family“ Ende Juni in den Räumlichkeiten des ehemaligen Kiez-Cafés November ihr neues Restaurant eröffnet. Der Name ist geblieben, auch das Wiener Schnitzel auf der sonst japanisch orientierten Speisekarte erinnert an den Vorgänger

Und doch ist mit dem Restaurant November in der Husemannstraße etwas gänzlich Neues entstanden: eine moderne, japanisch inspirierte Brasserie mit Fokus auf hochwertigen Fisch, Bauhaus-Interieur und einem Team aus geflüchteten Profi-Gastronom*innen, die im November einen Neustart in Deutschland wagen.

Das November ist nach dem 2019 eröffneten Restaurant The Catch in Charlottenburg das zweite Projekt der „The Catch Family“ in Berlin. Im lettischen Riga betreibt die Gastronomiegruppe rund um Gründer und Gastronom Alexander Slobine vier weitere Restaurants. Klar, dass die selbst ernannte Gastro-Familie bei jeder Neueröffnung auf die Kompetenzen des internationalen Teams zurückgreift. So auch beim Projekt in der Husemannstraße.

November Terrasse

Mit dabei ist beispielsweise The Catch Brand-Chef Sergejs Siporovs, der über Erfahrungen in Sterne-Restaurants wie dem „Le Manoir aux Quat’Saisons“ in England verfügt und bereits seit Anfang an Teil der „The Catch Family“ ist. An der „Raw-Bar“ bereitet Sushi-Chef Ruslan Kim Nigiris, Sashimi, Carpaccios und Tatars aus hochwertigem Fisch zu. Der gebürtige Koreaner ist in der Ukraine aufgewachsen und blickt auf 20 Jahre Erfahrungen als Sushi-Chef zurück. Zuletzt stellte er seine Expertise im Restaurant Sumosan im Berliner Westen unter Beweis.

Doch nicht nur Siporovs und Kim bereichern das November mit ihren langjährigen Erfahrungen: Drei Profi-Gastronom*innen aus Belarus prägen das Restaurant in Prenzlauer Berg mit ihren Persönlichkeiten. Der Restaurantmanager Artiom Gudinskiy stammt gebürtig aus Minsk und war dort unter anderem in der „Bar Pelican“ und dem „Bistro de Luxe“ tätig. In Folge der politischen Unruhen 2020 musste Gudinskiy Belarus verlassen und emigrierte in die Ukraine – nur um zwei Jahre später nach Kriegsausbruch erneut zu fliehen.

Artiom Gudinskiy, Vasily Sapunkov, Hanna Papruha und Ruslan Kim (v.l.n.r.) November Team

Ein Schicksal, das der Restaurantmanager mit Küchenchefin Hanna Papruha teilt. Papruha floh 2020 ebenfalls aus Belarus in die Ukraine, wo sie die vergangenen zwei Jahre gemeinsam mit Gudinskiy und Prokopiev im „Shelest“ tätig war, einem hochwertigen Hotelkomplex unweit der Landeshauptstadt Kiew.

Was es bedeutet, seine Heimat plötzlich verlassen und alles zurücklassen zu müssen, weiß auch Barchef Vasily Sapunkov. Der gebürtige Belarusse eröffnete vor sechs Jahren die „Kew London Bar“ in Minsk, die sich schnell zu einem der beliebtesten Hotspots für hochwertige Cocktails in der Hauptstadt entwickelte. Nach den Wahlen im Jahr 2020 wurde die „Kew London Bar“ von der Regierung geschlossen und Sapunkov zog weiter nach Kiew. Dort eröffnete der Mixologe unter anderem die Weinbar „Berlin 1989“, deren Name ein Symbol für Freiheit und Widerstand sein sollte. Nach dem Angriff der Russen auf die Ukraine floh Sapunkov ebenso wie seine November-Kolleg*innen nach Berlin – und bereichert nun den Prenzlauer Berg mit seinen profunden Erfahrungen hinter der Bar.

Hamachi mit Yuzu-Trüffel-Ponzu und Shiso November Hamachi

Ähnlich wie das Schwesterrestaurant „The Catch“ in Charlottenburg, hat sich auch das November der japanischen Küche verschrieben. Für Betreiber Slobine und sein Team steht daher insbesondere die Qualität der verwendeten Produkte im Vordergrund: Fisch und Meeresfrüchte beziehen die Gastronom*innen beispielsweise direkt von Fischmärkten in Spanien und Japan – ohne auf Zwischenhändler zurückgreifen zu müssen. Dabei kaufen sie ausschließlich Ware von höchster Qualität.

Die „Raw-Bar“ ist als Kontaktbar mitten im Restaurant angesiedelt und Dienstag bis Samstag ab 18 Uhr geöffnet. Wer dort Platz nimmt, kann Sushi-Chef Ruslan Kim dabei zuschauen, wie er den Fisch verarbeitet und als Nigiri, Sashimi, Carpaccio oder Tatar auf die Teller zaubert. Dabei interpretiert er die klassische Sushi-Bar neu und serviert seine Kreationen bereits mit Sauce und Topping als vollendete Gerichte. Den Hamachi kombiniert er beispielsweise mit Yuzu-Trüffel-Ponzu und Shiso, das Jakobsmuschel-Crudo mit Grapefruit und Ingwersauce. (Die Schneiderei)

November
Husemannstraße 15, Prenzlauer Berg, Tel. +49 162 333 21 35, www.thecatchfamily.com, Di–Do 18–24 Uhr, Fr+Sa 10–16 und 18–24 Uhr, So 10–17 Uhr