Fotos: Mat Neidhardt Aufmacher Lansk
Lansk-Markstände

Feine Marktlage

Vater und Sohn arbeiten erfolgreich zusammen. Gerd Rüdiger ist Journalist und der Kommunikator und Sohn Benjamin der Macher und Profi-Koch. Seit kurzem haben sie neben dem Marktstadt in Zehlendorf einen am Maybachufer bezogen

Es ist Freitagnachmittag in Neukölln auf dem Maybachufermarkt. Zwischen lauten Rufen der Gemüse­händler*innen und den hektischen Einkäufen der Besucher sticht ein Stand mit einer gewissen Ruhe und Entspanntheit heraus. Hier wird zum Beispiel Eierlikör mit Schaumwein getrunken. Wer das Getränk noch nicht probiert hat, dem entgeht etwas. Gerd Rüdiger serviert seine Kreation am Marktstand nur zu gerne und wickelt seine Gäste so auf seine ganz eigene Art in ein Gespräch ein. Und so folgt nach dem selbstgemachten Eierlikör ein Glas Rosé von Weingut Peth-Wetz.

Gerd Rüdiger und sein Sohn Benjamin Gerd Rüdiger und Benjamin

Diesen Wein gibt es auch noch an anderer Stelle. Denn begonnen hat alles in Zehlendorf auf dem Wochenmarkt zwischen Teltower Damm und Postplatz. Seit sechs Jahren haben die Rüdigers dort einen Stand und sich in dieser Zeit einen festen Kundenstamm aufgebaut – sie sind mittlerweile eine Marktinstitution. Hauptaugenmerk ihres Verkaufskonzeptes liegt bei eingeweckten und fermentierten Feinkostprodukten.

Passend zur Marktatmosphäre gibt es rustikale Gerichte, wie geschmorte Kalbsbacken, Rinderbuletten und Caesar-Salad-Stullen. Ergänzt wird das Sortiment mit Weinen des Weinguts Peth-Wetz, wie eben auch beim Maybachufermarkt. Seit über zehn Jahren arbeiten die Rüdigers mit dem Weingut zusammen. Der Winzer selbst bezeichnet sein Sortiment als „Crazy, Stupid, Wine“. Es werden Weine gekeltert, deren Rebsorten atypisch für Europa sind, dennoch Freude beim Trinken bereiten. Während die Eierlikör-Schaumwein-Kombination alljährlich gut ankommt, kombiniert Gerd Rüdiger zur Weihnachtszeit Rotweine der Sorten Regent und Merlot mit dem selbstgemachten Glühweinsirup – geht auch als Gänsebratenglasur – aus Zitrusfrüchten und weihnachtlichen Gewürzen als Glühwein-Set.

Lansk Eierlikör
Lansk BBQsauce
Lansk Ketchup

Während Berlin mit seinen belebten Kiezen oftmals hektisch ist, schafft der Flair des Zehlendorfer Markts einen beruhigenden Gegensatz. Zwischen den frisch gekochten Gerichten finden selbstgemachte Zwiebel-Chutneys, Erdbeer-Ketchup und Barbecue-Saucen ihren Platz am Stand. Die ausgefallenen eingeweckten Gerichte werden von Gerds Sohn Benjamin Rüdiger und seinem Team im Goerzwerk in Berlin Lichterfelde – an der Grenze zu Brandenburg – gekocht.

Früher lief die Produktion noch über das Lansk Restaurant in Wilmersdorf. In seinem Restaurant kreierte Benjamin bis zur Schließung 2018 Gerichte nach dem Konzept „Heimisch Kochen“. Prägend für seinen Küchenstil war die Zeit als Koch unter Harald Wohlfahrt in der Schwarzwaldstube und bei Johannes King auf Sylt. Seine Leidenschaft zum Kochen hat der 40-Jährige trotz der schmerzlichen Entscheidung zur Schließung des Restaurants nicht verloren. Zuerst als Privatkoch des argentinischen Botschafters in den darauffolgenden zwei Jahren, dann im 2021 gegründeten Catering der Lansk GbR, Gerds Unternehmen, das den Verkauf der Feinkostprodukte vertreibt.

Woher eigentlich der Name Lansk? Von einer polnischen Halbinsel, auf der Gerd Rüdiger früher mit einem Kollegen mehrere Tage intensiver Schreibarbeit verbracht hat. Die idyllische Umgebung inspirierte ihn zuerst dazu, seine Medienagentur nach der Insel zu benennen und später auch das Feinkostunternehmen und das Catering.

Die klare Handschrift von Benjamin Rüdiger zeigt sich weiterhin in seinen Gerichten fürs Catering. Zu Beginn noch mit Fingerfood, Salaten und den fermentierten Einmachspeisen entwickelte sich daraus die Idee, Tellergerichte und Menüs für Veranstaltungen anzubieten. Rüdigers Stil aus seinem Fine-Dining-Restaurant ist erkennbar. Im Vordergrund steht immer das Produkt – gekocht wird mit regionalen Produkten und mediterranem Flair unter französischem Einfluss.

Die neu gewonnene Zeit durch die kalkulierteren Arbeitszeiten kommen am Ende Benjamins Familie zugute. Tagsüber wird von Montag bis Freitag im Catering gekocht, samstags noch auf dem Markt mitgeholfen. Einzig der Sonntag ist und bleibt für ihn heilig – die Familie hat Priorität. Auf diese Zeit freut er sich besonders. Während Benjamin für das Catering zuständig ist, bleibt sein Vater Gerd weiterhin leidenschaftlicher Marktstandbetreiber in Zehlendorf und am Maybachufer. Demnächst soll das gesamte Sortiment auch freitagnachmittags in Neukölln zu kaufen sein. (Sara Laudenbach)

Lansk-Markstände
Samstag von 9 bis 16 Uhr auf dem Zehlendorfer Frischemarkt, Teltower Damm 34
und Freitag von 11 bis 18.30 Uhr auf dem Neuköllner Wochenmarkt am Maybachufer