Ryohsei Kinoshita, Song Lee und Kristof Mulack, Fotos: Steffen Sinzinger Aufmacher Japan Food Show
Japan Food Show

Cold Brew, Kassler & Wasabi-Chips

Rund 240 Profis aus Gastronomie und Handel probierten sich in der Residenz der japanischen Botschaft durch Sake, Wagyu, Cold-Brew-Tee und Wasabi-Chips – und entdeckten, wie spielerisch Japan seine Küche für Europa inszeniert

In der Residenz der japanischen Botschaft in Berlin war an diesem Abend ziemlich klar: Wenn Kulinarik Diplomatie ist, wurde hier auf höchstem Niveau verhandelt. Rund 240 Gäste aus Gastronomie, Handel, Import und Vertrieb kamen zur Japan Food Show. Statt Messeständen im Neonlicht gab es Produktwelten im Botschaftsambiente.

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Japanische Süßwaren und grüner Tee hier, Fisch und Fleisch dort, dazu Sake, Wein und eine ganze Armada an Basiszutaten, die in Japan zum Alltag gehören und in europäischen Küchen oft noch als Geheimtipp gelten. Reis, Curry, Ramen, Oden, japanische Süßkartoffeln, Miso, Wasabi, Sojasauce – wer sich einmal im Kreis drehte, hatte quasi eine kulinarische Kurzreise durchs Land hinter sich. Die Botschaftsküche trat als eigene Station auf und bewies, dass auch diplomatische Herde mehr können als Häppchen auf Silberplatten.

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Eröffnet wurde der Abend vom Stellvertretenden Botschafter Kunihiko Kawazu, der die Gäste begrüßte, bevor die Bühne an die Köche überging. Danach hieß es: kurz zuhören, dann probieren. Kristof Mulack, Song Lee und Ryohsei Kinoshita zeigten, wie unterschiedlich sich japanische Zutaten interpretieren lassen. Song Lee setzte mit einer Cutting Show und Sushi-Spezialitäten den eleganten, messerscharfen Akzent. Mulack ließ Udon, Kassler und Sauerkraut aufeinandertreffen – Japan trifft Deutschland im Hauptgang. Kinoshita wiederum widmete sich dem vielleicht prominentesten Star des Abends: Wagyu, in Varianten, die vielen Gästen deutlich machten, dass es jenseits von Steak noch eine Menge zu entdecken gibt.

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Das Publikum ließ sich nicht lange bitten. „Die Vielfalt der Produkte und Aromen war beeindruckend. Ich habe vieles entdeckt, das ich so noch nicht kannte. Besonders begeistert haben mich die Tees, allen voran die Cold-Brew-Varianten“, sagte Marie Raymond, Journalistin bei Le Figaro. Man konnte ihr glauben – vor den Teestationen war es zeitweise voller als vor manch spektakulärem Fleischgang.

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Foodkritiker Dr. Stefan Elfenbein schaute derweil weniger auf das Lauteste im Raum, sondern auf das Leiseste: „Besonders spannend fand ich, wie ein vermeintlich schlichtes Produkt wie brauner Reis hier eine ganz neue Wertigkeit erhält. Das Onigiri ist für mich ein starkes Beispiel dafür, wie viel Raffinesse, Textur und Geschmack in etwas so Puristischem steckt.“ Wenn ausgerechnet ein Dreieck aus Reis zum heimlichen Star wird, sagt das einiges über die Haltung der Veranstalter aus.

Auch aus dem Vertrieb kamen klare Signale. „Das Event ist ein absoluter Volltreffer, sehr abwechslungsreich und die Qualität der Produkte wirklich außergewöhnlich. Besonders beeindruckt haben mich der butterzarte Wagyu-Schmorbraten und die Chips mit echtem Wasabi“, sagte Jérémy Duval, Head of Sales bei Saltz. Man konnte sich gut vorstellen, wie im Kopf mancher Gäste schon Regale, Karten und Menüs durchgerechnet wurden.

Hinter all dem stand eine klare Idee: Die Japan Food Show, organisiert gemeinsam mit JETRO, sollte nicht nur zeigen, was Japan zu bieten hat, sondern im direkten Austausch testen, wie diese Produkte in Europa ankommen – geschmacklich, konzeptionell, emotional. Toyo Rice Corporation, Kabuki Feinkost, Ehime Prefecture, Kinjirushi Wasabi, Kibun, Echigo Seika, S&B Foods, Hause Foods, Itoen und weitere Aussteller präsentierten sich und ihre Produkte so, dass man nach einem Abend nicht nur satt, sondern auch mit Gesprächsstoff und Kontakten nach Hause ging.

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Am Ende wirkte die Residenz weniger wie ein diplomatischer Ort als vielmehr wie ein temporärer, internationaler Food-Hub – ein Ort, an dem sich zeigt, dass sich Märkte zwar in Zahlen messen lassen, Begeisterung aber nur im direkten Biss ins Onigiri, im Schluck Sake oder im erstaunten Blick nach dem ersten Cold-Brew-Tee. (Eva-Maria Hilker)

Japan Food Show
in der Residenz der Botschaft von Japan in Deutschland,
Hiroshimastraße 6-10, Tiergarten, www.de.emb-japan.go.jp

Organisiert wurde die Japan Food Show gemeinsam mit
JETRO (Japan External Trade Organization)
Friedrichstraße 70, Mitte, www.jetro.go.jp/germany