Chiara Strobl (links, kulinarische Konzeption des hier.) mit Monika Dagrée und Eva-Maria Hilker, Fotos: Selina Schrader Aufmacher Monika Dagrée
Monika Dagrée

„Berlin hat kein Designproblem,
sondern ein Kommunikations­problem“

Mit diesem Satz bringt Monika Dagrée die Ausgangslage der Hauptstadt auf den Punkt. Wir treffen die Kommunikations-Expertin, PR-Unternehmerin und Gründerin der DesignDays.Berlin im Restaurant „hier.“, an einem Ort, an dem Interior-Design und Gastronomie auf besonders stimmige Weise zusammenfinden

Interview: Eva-Maria Hilker • Fotos: Selina Schrader

Monika, wie bist du überhaupt zum Design gekommen?
Monika Dagrée: Ich hatte schon in jungen Jahren Interesse an Form, Farbe und Dingen im Alltag, von Geschirr über Möbel bis zu Mode. Es kommt sicher auch ein Stück weit aus meiner skandinavischen Prägung. In Skandinavien spielt Design im Alltag eine große Rolle, und das hat mich früh sensibilisiert.
Als ich meine Agentur gegründet habe, war Design von Anfang an ein Schwerpunkt. Wir hatten viele Designkunden, mit denen wir Produkte, Räume und Geschichten kommuniziert haben. Später hat sich die Agentur stärker in Richtung Mode, Beauty und Hospitality entwickelt – wir haben etwa für Getränke- und Foodmarken gearbeitet –, aber die Verbindung zu Gestaltung ist immer geblieben.
Ein sehr persönlicher Höhepunkt war dann meine eigene Wohnung, in der ich mich gestalterisch richtig ausgetobt habe: klare skandinavische Linien, kombiniert mit mutiger Farbe. Diese Wohnung wurde später bei Schöner Wohnen und Westwing gezeigt und hat mir noch einmal deutlich gemacht, wie stark gutes Interior-Design wirkt und wie sehr es Menschen inspiriert.

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Du bist seit vielen Jahren in Kommunikation, Events und Design unterwegs – was war für dich der Moment, in dem du gedacht hast: Jetzt braucht Berlin die DesignDays.Berlin als neue Plattform?
Ich bekomme seit Jahren mit, wie viel Designpotenzial Berlin eigentlich hat – mit Hochschulen wie Weißensee und UdK, mit internationalen Architekturbüros und mit vielen unabhängigen Studios, die hier arbeiten. Gleichzeitig hatte ich immer das Gefühl: Diese Stadt hat kein Designproblem, sie hat ein Kommunikationsproblem. Es gibt unglaublich viel kreative Energie, aber sie wird nicht gemeinsam sichtbar gemacht.
Genau daraus ist mit Mitgründerin Angelika Müller, Herausgeberin des HOME-Magazins, die Idee für die DesignDays.Berlin entstanden: eine Plattform zu schaffen, auf der Menschen zusammenkommen und erleben können, was Berlin im Bereich Design alles kann, hat und hervorbringt. Wir fanden es beide erstaunlich, dass Berlin international oft stärker als Designstandort wahrgenommen wird als in der eigenen Stadt. Wenn ich in Schweden bin, erzählen mir Leute, welche Designer, Architekten und kreativen Positionen Berlin hat – und hier vor Ort ist dieses Bewusstsein oft viel schwächer ausgeprägt.


„Zusammen statt gegeneinander. Ich glaube, nur so kann eine Stadt wie Berlin ihre tatsächliche Designkraft endlich auch nach außen tragen.“

Wenn du jemandem kurz erklären müsstest, was die DesignDays.Berlin sind: Wie beschreibst du das Format – und was macht es anders als klassische Designmessen?
Die DesignDays.Berlin sind für uns vor allem eine Kommunikations- und Vernetzungsplattform für die Berliner Designszene. Es geht nicht nur darum, Dinge auszustellen, sondern Akteure zusammenzubringen, Reichweite zu bündeln und Design über verschiedene Kanäle sichtbar zu machen.
Der entscheidende Unterschied zu klassischen Messen ist unser Ansatz des Schulterschlusses. Wir arbeiten nicht nach dem Prinzip: jeder für sich. Im Gegenteil: Wir versuchen, alle relevanten Akteure mitzunehmen – Medienpartner, Institutionen, Netzwerke, Unternehmen und öffentliche Partner. Inzwischen sind sieben Medienpartner dabei, außerdem unter anderem die IHK, Berlin Partner, UNESCO, der Senat und weitere Organisationen. Das Besondere ist also: zusammen statt gegeneinander. Ich glaube, nur so kann eine Stadt wie Berlin ihre tatsächliche Designkraft endlich auch nach außen tragen.

Wie werden die DDB finanziert? Könnt ihr mit der Unterstützung der Stadt Berlin rechnen?
Die DesignDays.Berlin werden derzeit nicht mit öffentlichen Fördermitteln finanziert, unter anderem weil die politischen Rahmenbedingungen und anstehende Wahlen Unterstützung erschweren. Das Format trägt sich stattdessen über teilnehmende Partner, die sich mit einer Gebühr von 2.900 Euro an der gemeinsamen Kommunikationsleistung beteiligen. Dafür erhalten sie über das Jahr hinweg Sichtbarkeit durch Medienpartner, Kommunikationsmaßnahmen und Präsenz im Rahmen der DesignDays selbst. Geplant sind außerdem drei Veranstaltungstage im September, unter anderem ein Talkformat mit einem Talkslot zum Thema Design & Hospitality sowie ein Opening Dinner, das die Teilnehmenden zusammenbringen und den Gemeinschaftsgedanken des Formats unterstreichen soll.

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2026 wird für Berlin als „UNESCO City of Design“ ein besonderes Jahr. Welche Rolle sollen die DesignDays.Berlin in diesem Kontext spielen – welches Bild von „Designstadt Berlin“ möchtest du mit dem Format nach außen tragen?
Berlin trägt den Titel „UNESCO City of Design“ bereits seit rund 20 Jahren und war eine der ersten Städte weltweit, die in dieses Programm aufgenommen wurden. Das Erstaunliche ist: Kaum jemand weiß das. Dabei ist dieser Titel ein starkes Signal dafür, welche kreative Kraft und welches gestalterische Potenzial diese Stadt besitzt. Genau deshalb sollen die DesignDays.Berlin in diesem besonderen Jahr ein Format sein, das diesem Titel neue Sichtbarkeit und neue Relevanz gibt. Nach außen möchten wir ein Bild von Berlin als offene, internationale, mutige und designstarke Metropole vermitteln – einer Stadt, die nicht nur Talente hervorbringt, sondern sie auch sichtbar macht und vernetzt.
Bei einem UNESCO-Treffen mit zahlreichen internationalen Delegationen war sehr eindrucksvoll zu sehen, wie selbstverständlich andere Städte erzählen, was sie in Sachen Design leisten, fördern und präsentieren. Berlin darf darin deutlich selbstbewusster werden.

Ein großer Teil von Design spielt sich in Restaurants, Bars und Hotels ab – also dort, wo Raum, Marke und Gastlichkeit zusammenkommen. Wo siehst du persönlich die spannendsten Schnittstellen zwischen Interior-Design und Hospitality – und welche Rolle könnte hier eine engere Zusammen­arbeit mit Medien aus der Gastro- und Hospitality-Welt künftig spielen?
Ich finde genau diese Schnittstelle wahnsinnig spannend, weil Design in Restaurants, Bars und Hotels unmittelbar erlebt wird. Hier treffen Raum, Atmosphäre, Materialität, Markenidentität und Gastlichkeit direkt aufeinander. Gerade in Berlin hat sich in diesem Bereich enorm viel getan – es gibt Orte, die sehr bewusst über Gestaltung, Inszenierung und Stimmung funktionieren und dadurch eine ganz eigene Geschichte erzählen.
Deshalb ist Hospitality für mich, für uns auch ein sehr natürlicher Partner für die DesignDays.Berlin. Medien aus der Gastro- und Hospitality-Welt können dabei eine wichtige Rolle spielen, weil sie diese Orte und ihre gestalterischen Konzepte nicht nur als schöne Kulisse zeigen, sondern als Ausdruck einer Haltung. Wer über Restaurants, Bars oder Hotels berichtet, erzählt eben auch immer von Räumen, von Designentscheidungen und davon, wie Menschen sich in einer Stadt bewegen und aufhalten. Genau darin liegt großes Potenzial für eine engere Zusammenarbeit.


„Ich würde mir wünschen, dass wir noch stärker Geschichten erzählen, in denen Design und Kulinarik nicht getrennt gedacht werden, sondern als gemeinsames Erlebnis.“

Wenn du an die nächsten Jahre der DesignDays.Berlin denkst: Welche Geschichten rund um „Design x Kulinarik“ würdest du dir wünschen – und wie könnten Partner wie wir als EssPress dazu beitragen, diese Themen in die Gastro-Community hineinzutragen?
Ich würde mir wünschen, dass wir noch stärker Geschichten erzählen, in denen Design und Kulinarik nicht getrennt gedacht werden, sondern als gemeinsames Erlebnis. Also Orte, in denen gutes Essen, gute Gastgeber und starke Gestaltung zusammenkommen – und in denen sichtbar wird, dass Atmosphäre nie nur Dekoration ist, sondern Teil des gesamten Konzepts.
Partner wie EssPress können dabei sehr viel bewegen, weil sie diese Themen in eine Community hineintragen, die genau an solchen Schnittstellen arbeitet. Es geht darum, Designer, Gastronomen, Hoteliers und Betreiber miteinander ins Gespräch zu bringen und Beispiele sichtbar zu machen, die inspirieren. Wenn daraus ein Austausch entsteht, können neue Kooperationen, neue Erzählformen und vielleicht auch ganz neue Formate rund um Design und Gastlichkeit entstehen.

DesignDays.Berlin
Vom 24. bis 26. September 2026, www.designdays.berlin

Monika Dagrée
www.instagram.com/monikaewelina


„Endlich mal nichts Neues“

Das Interview fand im Restaurant „hier.“ statt – einem Ort, der den Dialog zwischen Design und Gastronomie konsequent lebt. Untergebracht im denkmalgeprägten AchtBerlin-Gebäude verbindet das Haus die restaurierte Altbaufassade mit moderner Architektur.
Das Interieur, entworfen vom Designer Michael Sans, ist klar, hell und präzise komponiert. Eine über zwölf Meter lange Sitzbank aus lokaler Eiche prägt den Raum, ergänzt durch eigens entworfene Möbel und sorgfältig kuratierte Details: restaurierte Vintage-Stühle, aufgearbeitetes Besteck von Berliner Flohmärkten sowie Glas und Porzellan mit klassischem Bezug. Gestaltung und Konzept greifen ineinander.
Die offene Küche, geplant von Gerold C. Bauer, unterstreicht den handwerklichen Ansatz. Maßgefertigte Elemente, lokale Materialien und die bewusste Wiederverwendung bestehender Objekte folgen dem Prinzip „Endlich mal nichts Neues“ – und übersetzen den Anspruch von Nachhaltigkeit und Wertigkeit in eine klare, zeitgemäße Formsprache.

hier.
Schönhauser Allee 8, Prenzlauer Berg, www.essenvonhier.de, Mo–Fr 11.30-15 Uhr

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Stand: Juli 2026