Foto: Le Bon Mori Aufmacher Le Bon Mori
Le Bon Mori

Erfolgreiche Heimkehr

Raus aus Kreuzberg, rauf nach Hermsdorf. Moritz Borowski ist mit seinem Restaurant Le Bon Mori nach Norden gezogen

Zugegeben, die Anfahrt fühlt sich ein wenig wie ein Ausflug ins Umland an. Genau das macht den Reiz aus. Man entdeckt Berlin noch einmal neu. Hermsdorf gehört sicher nicht zu den klassischen In-Bezirken. Auf dem Weg von der S-Bahn zum Restaurant passiert man einen Spielplatz, Eltern stehen zusammen, Kinder toben. Die Atmosphäre erinnert eher an Charlottenburg oder Wilmersdorf als an Szene-Berlin. Hermsdorf ist kein Sehnsuchtsort für das Szene-Publikum. Kein Hotspot, kein „Place to be“. Aber die Außenbezirke gewinnen an Attraktivität: günstigere Mieten, mehr Ruhe, mehr Raum. Während sich Mitte weiter als Weltstadt inszeniert, findet Wachstum zunehmend am Rand statt.

Fotos: emh Burgunderschnecken und Lachsforelle

Im Le Bon Mori – „Mori“ ist übrigens Moritz Borowskis Spitzname, den ihm sein Onkel gab – wird klassische französische Küche mit zeitgemäßem Twist serviert. Borowski, gebürtig aus Frohnau und unter anderem in der Schweiz ausgebildet, setzt auf solides Handwerk und klare Aromen. Zum Auftakt etwa eine Pâté de lapin en croûte, also Kaninchen­pastete mit Madeira und Kräutersalat. Auch die seltenen Burgunderschnecken in Kräuterbutter sind eine erfreuliche Vorspeise. Saisonal stehen Gerichte wie Lachsforelle mit Spargel aus Kremmen und neuen Kartoffeln auf der wechselnden Karte. Die Kalbsleber „Berliner Art“ mit Kartoffelpüree, Apfel und Röstzwiebeln ist pures Comfort Food.

Foto: Uwe Schwarze Borowski

Seinen Umzug bezeichnet Borowski selbst als persönliche Heimkehr. 2023, mitten in der Kostenkrise, begann er zu zweifeln, ob sich Kreuzberg wirtschaftlich noch tragen lässt. Die Entscheidung für Hermsdorf hat sich ausgezahlt. Der Kiez, gastronomisch lange eher dünn besetzt, gewinnt eine starke Adresse – und viele ehemalige Stammgäste nehmen den Weg in den Norden gern auf sich.

Foto: Le Bon Mori Interieur

Das Le Bon Mori überzeugt mit entspannter, unaufgeregter Gastfreundschaft. Kein Ort für schnellen Hype, keine Bühne für kulinarische Selbstdarstellung, sondern ein Restaurant, das einfach da ist – und genau darin seine Stärke findet. (emh)

Brasserie Le Bon Mori
Wachsmuthstraße 19, Hermsdorf, www.lebonmori.de, Di-Sa 17-22 Uhr, Vorspeisen ab 10 €, Hauptgerichte ab 25 €, Drei-Gänge-Menü 55 €, Glas Wein (0,1 l) ab 6 €, Fl. Wein ab 36 €

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Stand: Mai 2026


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