Fotos: Studio Kroll Aufmacher bene
béné by BENEDICT

Keine Wein- sondern eine Gastro-Bar

Tagsüber Benedict, abends béné. Ein Pop-up bei dem das Konzept nach Leichtigkeit klingt und sie auch einlöst. Für Eva-Maria Hilker hat bei ihrem Besuch dieses leichte Dauerrauschen aus Austausch, Aufmerksamkeit und kleinen Tellern gut funktioniert

An diesem Abend wird viel gelacht. Und viel aufgefahren. Es ist ein Presse-Tasting, bei dem klassischer Foodjournalismus auf Social-Media-Creators trifft, also auf jene, die Reichweite generieren, während andere noch notieren. Es wird fotografiert, kommentiert, geteilt. Und tatsächlich: Auch die Teller werden großzügig geteilt, sodass am Ende alle irgendwie zu allem kommen. Kommunikation ist hier Teil des Konzepts.

Foreplay

Der Einstieg heißt „Foreplay“, das sind kleine Teller zum Ankommen: haus­gebackenes Brot mit geschlagener Butter und Fleur de Sel, Pickles, marinierte Oliven, Tahini mit Harissa, Sour Cream mit Tomate. Unaufgeregt und angenehm, sodass man sich guten Gewissens erst einmal der Weinkarte widmen kann. Die macht Freude, weil zugänglich, gastfreundlich, ohne Attitüde. Eine Flasche Bio-Riesling aus dem Rheingau für 29 Euro ist in dieser Kategorie fast schon ein Statement. Es muss eben nicht immer das 0,1-Glas für 5 Euro sein. Und genau das der Unterschied: Hier darf man selbst entscheiden, wie viel man trinkt, ohne nebenbei innerlich den Kontostand zu kalkulieren. Vielleicht deshalb Gastrobar und nicht Weinbar? Letztere neigen derzeit ja bisweilen zu einer gewissen Selbstüberhöhung. Bei béné wirkt das alles erfreulich entspannt.

Drink

Der Begriff „Gastrobar“ erklärt sich dann auch schnell: Neben einer bewusst kuratierten, eher schlanken Weinauswahl aus Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien gibt es eine eigenständige Cocktailkarte. Hausgemachte Cordials, Miso-Infusionen, Yuzu – das Handwerk ist ambitioniert, die Präsentation bewusst niedrigschwellig.

Statt großer Namen stehen schlichte Nummern über den Drinks („It’s all good“). Ein charmanter Bruch, der funktioniert: Die Cocktails sind komplex genug für Interessierte, aber zugänglich genug, um einfach Spaß zu machen.

Mit den größeren Tellern beginnt dann der eigentliche soziale Teil des Abends. Teilen ist ja nie nur kulinarisch gemeint, sondern immer auch ein kleiner Stresstest fürs Miteinander. Gleichzeitig ermöglicht es genau das, was dieses Konzept verspricht: Vielfalt. Ein kulinarisches Changieren zwischen Begeisterung und leiser Irritation.

Corn Ribs
Tomatensalat

Die Corn Ribs mit Chipotle-Limetten-Aioli sind solide, das Som Tam mit Fenchel und Orange überraschend frisch. Der Tomatensalat kombiniert frische und geröstete Tomaten mit Stracciatella, Croûtons und Schalotten – aromatisch dicht, wenn auch nicht ganz neu gedacht. Gelungen: das Auberginen-Carpaccio mit Grapefruit, Gremolata, Tahini und Pinienkernen.

Fisch
Rindertatar auf Brioche

Das Sashimi wird fast ehrfürchtig geteilt, der Fisch butterzart, fein ausbalanciert mit Zitrus und grünem Chili. Das Rindertatar auf Brioche hingegen stößt auf weniger Begeisterung. Das Brioche wirkt trocken, fast zwiebackartig. Und vielleicht spielt hier auch eine gewisse Tatar-Müdigkeit mit hinein.

Spinat-Ricotta-Gnudi
Garnelen

Die Spinat-Ricotta-Gnudi schwanken etwas in der Konsistenz, teils wunderbar fluffig, teils zu weich. Die Hauptgänge setzen auf Verlässlichkeit: gegrillte Garnelen mit Pastis, Butter, Knoblauch und Zitronen-Gremolata sowie ein 21 Tage gereiftes Onglet mit Ajo Blanco und Kräuteröl.

Am Ende bleibt der Eindruck eines Ortes, der viel richtig macht, ohne sich zu wichtig zu nehmen. Das Teilen gehört dazu – kulinarisch wie kommunikativ.

béné by BENEDICT
Uhlandstraße 49, Charlottenburg, www.benedict.world/pages/bene, Do-Mo ab 18 Uhr, „foreplay“ ab 4 €, „to share“ ab 9 €, „the big finish“ ab 9,5 €, Glas Wein (0,2 l) ab 7,50 €, Fl. Wein ab 29 €

Auf Facebook teilen    Per Mail teilen     Auf LinkedIn teilen

Stand: Juli 2026