Fotos: Rebecca Hoffmann Aufmacher Gazzo Pizza
Gazzo Pizza

Klare Kante

Das Leben und das Pizza­essen können so einfach sein. Das Gazzo Pizza legt mit Qualität und einem stringenten Konzept ein Erfolgsmodell vor

Auffällig zuerst die Inneneinrichtung. Der berlinsymptomatische Shabby Chic ist gekonnt inszeniert. Dafür ist Janis Nachtigall verantwortlich. Sie hat das Neni und Maison Han gestaltet und ausgestattet. An den Wänden, in den Ecken hängt Kunst. Die kommt aus der Privatsammlung von Robert Szabo, der früher im Grill Royal gearbeitet hat und einer der Gründer von Gazzo Pizza ist. Und wenn er etwas Luft hat, dann führt er gerne durch die Räume. Dabei kommt der Gast auch am Garschrank für den Sauerteig vorbei. „Nicht füttern“, steht auf der Tür. Er ist das Herz des Unternehmens. Und Mikael Andersen, der Zweite im Bunde, ist derjenige, der ihn füttern darf, und der Mann aus dem Norden steht zudem am Ofen.

Gazzo Pizza

Es werden also Pizzen aus Sauerteig serviert. Der ist durch den längeren Garprozess verträglicher. Es sind gerade mal neun Pizzen im Angebot, die keine Namen, sondern Nummern besitzen und sich durch Zutaten unterscheiden. An den Vorspeisen kommt keiner vorbei. Der Bio-Ricotta ist dezent mit Olivenöl und Oregano angemacht, eine Prise Salz und Pfeffer macht ihn zum milden Appetizer, genauso wie die Burrata, beides übrigens von Paolella aus Brandenburg. Eine Überraschung ist ’Nduja, eine streichfähige Salami, sehr scharf, die mit frisch gebackener Focaccia serviert wird. Pizza Nummer drei und Pizza Nummer fünf werden geordert. Die drei ist die mit Pürree aus gebratenen Auberginen, Mozzarella, Pecorino und Petersilie, Nummer fünf mit Tomaten, Sardellen, Mozzarella, Kapern, Knoblauch und frischem Chili. Der Teigrand ist knusprig, der Boden fluffig und schmeckt leicht nussig, nach Röstaromen. Das Obenauf ist gekonnt abgestimmt. Dazu passt gut der rote Sangiovese oder der Chardonnay vom Fass als Begleitung.

Mittlerweile ist es 20 Uhr und jeder der Tische ist besetzt, manche bereits zum zweiten Mal. Und es wird ein klein wenig hektisch beim Service. Das ist aber bei einer Soft-Opening-Phase mehr als tolerierbar. Gerade wenn seit der Eröffnung jeder Abend ausgebucht ist. Tischreservierung oder frühes Erscheinen ist also ratsam. Ebenso das Softeis mit Streuseln, Meersalz und Olivenöl zum Abschluss. Die Recherche nach „Gazzo“ kann man sich übrigens sparen. Es ist eine Wortschöpfung und die Adonis-Statur auf der Theke wurde kurzerhand Gustavo di Gazzo genannt und zum Patron des Restaurants erklärt. (emh)

Gazzo Pizza
Hobrechtstraße 57, Neukölln, Tel. 030 98 37 01 03, www.gazzopizza.com, Mi-So 17–22 Uhr, Vorspeisen ab 4 €, Pizzen ab 6 €, Glas Wein (0,2 l) vom Fass ab 4,50 €, (1 Liter) 19 €, Flaschenweine (0,75 l) ab 17 €